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Trump-Regierung stellt sich im Urheberrechtsstreit hinter OpenAI

Die US-Regierung hat diese Woche eine Stellungnahme eingereicht, wonach das Training von Sprachmodellen mit urheberrechtlich geschütztem Text als Fair Use gilt, und stärkt damit OpenAI im Streit mit der New York Times.

Die nullbot-RedaktionVeröffentlicht am 3. September 20263 Min. LesezeitQuellen (2)
Das Daniel Patrick Moynihan United States Courthouse in Manhattan, an dem die Urheberrechtsklage der New York Times gegen OpenAI verhandelt wird
Ken Lund from Reno, Nevada, USA · CC BY-SA 2.0 · Wikimedia Commons

Die Trump-Regierung ist in den Urheberrechtsstreit der New York Times gegen OpenAI eingestiegen und unterstützt dabei die Position des KI-Labors, wonach das Training eines großen Sprachmodells mit urheberrechtlich geschütztem Text als Fair Use gilt. Damit äußert sich die US-Regierung erstmals offiziell zu der wachsenden Zahl von Klagen, in denen Verlage und Autoren gegen KI-Unternehmen vorgehen.

Die Times hatte OpenAI und Microsoft im Dezember 2023 verklagt und ihnen vorgeworfen, ihre KI-Systeme ohne Erlaubnis oder Entschädigung mit Millionen von Zeitungsartikeln trainiert zu haben. Sie forderte "Milliarden von Dollar" Schadensersatz. Später schlossen sich weitere Zeitungen der Klage an.

Was die Stellungnahme der Regierung argumentiert

In einer am Dienstag beim Bundesgericht in Manhattan eingereichten "statement of interest" unterstützten US-Anwälte die Fair-Use-Verteidigung von OpenAI. "The New York Times seeks to narrow fair-use doctrine to exclude the training of OpenAI's large language models (LLMs)", schrieben sie. Ein solches Ergebnis wäre mit den Grundprinzipien des Urheberrechts unvereinbar und würde "the Progress of Science and useful Arts" erheblich behindern.

Große Sprachmodelle helfen Forschenden in zahlreichen Fachgebieten bereits heute, bedeutende Durchbrüche zu erzielen. Würde man ihre Entwicklung aufgrund eines Missverständnisses der Fair-Use-Doktrin einschränken, bremste dies diesen kreativen und wissenschaftlichen Fortschritt und schadete zugleich dem Wohlstand und der wirtschaftlichen Mobilität Amerikas.

Stellungnahme der US-Regierung

Die Stellungnahme beschreibt das Training von KI-Systemen zudem als "außerordentlich" transformativ - ein zentrales rechtliches Kriterium dafür, ob die Nutzung geschützten Materials als Fair Use oder als Urheberrechtsverletzung gilt. "Die Fair-Use-Prüfung hängt von den konkreten Fakten und Nutzungen jedes Einzelfalls ab", schrieben die Anwälte, "aber es wäre problematisch - und rechtlich unzutreffend -, eine weitreichende Haftung aufzuerlegen, die das Training von KI-Modellen ohne Lizenz generell unmöglich machen würde."

Der technische Kern des Streits ist einfach erklärt: Um Antworten zu generieren, werden maschinelle Lernsysteme zunächst mit Milliarden Textzeilen gefüttert, und Chatbots erzeugen ihre Ausgaben durch statistische Analyse des wahrscheinlichsten nächsten Wortes, indem sie die Anfrage eines Nutzers mit den während des Trainings gelernten Mustern abgleichen - genau der Vorgang, den die Times als Urheberrechtsverletzung wertet.

Eine wiederkehrende juristische Taktik - und ein persönlicher Groll

Die Trump-Regierung setzt in privaten Rechtsstreitigkeiten regelmäßig auf solche Stellungnahmen - ein Instrument, das ein Regierungsvertreter als "unglaublich" wirksam bezeichnete, um politische Ziele durchzusetzen. Diese Fair-Use-Position hatte die Regierung bereits in ihrem "National AI Legislative Framework" formuliert. Trump hegt zudem einen persönlichen Groll gegen die Times, gegen die er separat wegen Verleumdung klagt.

"Die Vorherrschaft im Bereich KI ist entscheidend für nationale Sicherheit, Wohlstand und wirtschaftliche Mobilität aller Amerikaner", erklärte der stellvertretende US-Justizminister Stanley Woodward Jr. "Diese Regierung wird niemals zulassen, dass unser Land aufgrund eines eindeutig falschen Verständnisses des Urheberrechts gegenüber ausländischen Rivalen benachteiligt wird."

Unabhängig davon sagte US-Handelsminister Howard Lutnick bei einem G20-Treffen in North Carolina, die Länder sollten Fair Use beim KI-Training akzeptieren und zugleich einen Weg finden, "Künstler zu schützen".

Ein Fall mit möglicher Präzedenzwirkung

Der Fall der Times könnte als Präzedenzfall für andere Medien dienen, die mit KI-Labors im Streit liegen. Urheberrechtskonflikte haben sich in den vergangenen Jahren gehäuft: Auch das Center for Investigative Reporting, die Chicago Tribune und die New York Daily News haben OpenAI, Anthropic und Meta verklagt. Die Gerichte sind uneinig - die ersten beiden Richter, die im vergangenen Jahr über Fair Use beim KI-Training entschieden, kamen zu gegensätzlichen Urteilen.

  • Ein Urteil von 2025 stellte fest, dass Anthropic seine Modelle legal mit rechtmäßig gekauften Büchern trainieren durfte, für Piraterie aber weiterhin haftbar blieb - was zu einem Vergleich über 1,5 Milliarden Dollar mit Autorinnen und Autoren führte.
  • Dutzende Medien, darunter die Associated Press, Axel Springer und Vox Media, schlossen stattdessen Lizenzverträge mit OpenAI.
  • Die New York Times selbst schloss 2025 einen Lizenzvertrag mit Amazon, der es erlaubt, ihre Artikel und Rezepte in Amazons generativen KI-Tools erscheinen zu lassen.

Sprecher der Times und von OpenAI reagierten nicht sofort auf Anfragen zu der Stellungnahme. Eine "statement of interest" hat lediglich beratenden, keinen bindenden rechtlichen Charakter - kann aber dennoch beeinflussen, wie ein Richter die vorgebrachten Argumente gewichtet.

Was das für deutsche Verlage ändert

Für deutsche Verlage hat die Haltung der US-Regierung keine direkte Rechtswirkung, wiegt aber im globalen Kräftemessen: In der EU gilt mit der DSM-Urheberrechtsrichtlinie ein deutlich restriktiverer Rahmen, der ein eigenes Leistungsschutzrecht für die Presse sowie klar geregelte Text-and-Data-Mining-Schranken vorsieht. Sollte sich Fair Use in den USA als globaler Maßstab durchsetzen, dürfte der Druck auf deutsche und europäische Verlage steigen, ihre strengeren Lizenzforderungen gegenüber KI-Unternehmen im internationalen Vergleich stärker zu rechtfertigen.

Quellen

  1. The Trump administration is supporting OpenAI in the NYT copyright lawsuitThe Verge · 2. September 2026
  2. Trump administration sides with OpenAI in lawsuit against New York TimesThe Guardian · 2. September 2026

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