UBS verlangt von neuen Junior-Bankern ab 2027 KI-Kompetenz
Ab 2027 müssen Absolventen und Praktikanten, die sich bei UBS für die Sparte Global Banking and Markets bewerben, ihre KI-Kompetenz bereits im Bewerbungsprozess nachweisen — eine der ersten großen Banken, die KI-Kompetenz zur formellen Einstellungshürde macht.

UBS gehört zu den ersten großen Banken, die KI-Kompetenz zu einer formellen Einstellungsvoraussetzung machen: Absolventen und Praktikanten, die sich ab 2027 für die Sparte Global Banking and Markets bewerben, müssen zeigen, dass sie bereits mit KI-Tools umgehen können, bevor sie überhaupt eine Stelle angeboten bekommen. Die Financial Times berichtete laut Startup Fortune, das die aktualisierten Einstellungskriterien der Bank eingesehen hat, als Erste über diese Änderung.
Was UBS konkret verlangt
Bewerber für das Junior-Investmentbanking-Programm des Zürcher Instituts müssen sich im Auswahlverfahren zusätzlich zu den klassischen Tests zu akademischen Leistungen und finanzieller Eignung KI-bezogenen Fragen stellen. UBS erklärt, man wolle Menschen, die KI-Tools bereits für Analyse, Recherche und den Kundenkontakt einsetzen können — nicht nur Menschen, die schon einmal davon gehört haben.
Konkret müssen neue Absolventen und Praktikanten, die zur Sparte Global Banking and Markets von UBS stoßen:
- in Vorstellungsgesprächen KI-bezogene Fragen beantworten, zusätzlich zur üblichen fachlichen und akademischen Prüfung
- zeigen, dass sie KI-Tools bereits für Finanzanalysen, Recherche und Kundenarbeit einsetzen können
- einen „AI Fluency Pathway“ innerhalb des Absolventenprogramms der Bank durchlaufen, der reale Anwendungsfälle, verantwortungsvollen Umgang mit KI sowie die Urteilsfähigkeit abdeckt, wann man einem KI-Ergebnis vertrauen kann — oder eben nicht
Die eigenen Karriereseiten von UBS zeigen das Ausmaß der Initiative: Mehr als 38.000 Mitarbeitende haben interne KI-Lernpfade abgeschlossen, mehr als 49.000 haben sich seit 2024 für KI-bezogene Online-Kurse angemeldet, und mehr als 21.000 hatten bis Juli 2026 das interne „AI Citizen“-Abzeichen der Bank erworben.
die Fähigkeit, KI einzusetzen, um Arbeitsergebnisse und Effizienz zu verbessern
Die Anforderung beschränkt sich nicht auf Neueinstellungen. Laut Complete AI Training bestätigte die globale Personalchefin von UBS, im Bericht nur als Seiler genannt, Anfang September 2026, dass KI-Kompetenz mittlerweile ein formeller, dauerhafter Bestandteil der individuellen Leistungsbeurteilungen in der gesamten Bank sei. Beförderungen und Gehälter berücksichtigen inzwischen nachgewiesene KI-Nutzung ebenso wie finanzielle Ziele und Kundenkompetenz, und wer eine Führungsposition anstrebt, muss eine tatsächliche Nutzungshistorie der KI-Systeme der Bank vorweisen — eine bloß absolvierte Schulung reicht nicht. UBS misst die Verbreitung auf aggregierter, abteilungsweiter Ebene, statt einzelne Mitarbeitende zu überwachen, und veranstaltet wöchentlich eine „AI power hour“, in der Teams Anwendungsfälle durchgehen und ihre Fähigkeiten schärfen.
Teil eines breiteren Trends in der Finanzbranche
Der Schritt von UBS erfolgt in einer Branche, die durch KI ohnehin bereits in Bewegung geraten ist. Wall-Street-Banken, darunter Goldman Sachs und Morgan Stanley, hatten laut früheren, von Fortune zitierten Berichten der New York Times erwogen, die Einstellung von Berufseinsteigern um bis zu zwei Drittel zu kürzen, da KI immer mehr Analystenarbeit übernimmt. Goldman-Sachs-Chef David Solomon sagte später im Bloomberg-Podcast Odd Lots, die Absolventeneinstellung könne in den kommenden Jahren „etwas“ schrumpfen, aber nicht drastisch — der Sommerpraktikantenjahrgang 2026 der Bank umfasste weiterhin rund 2.500 Personen, bei einer Annahmequote von unter 1 Prozent im dritten Jahr in Folge. JPMorgan wiederum wies Führungskräfte laut CNBC im Oktober 2025 an, mit Neueinstellungen zurückhaltend zu sein, während KI tiefer ins Geschäft vordringt.
UBS stellt den eigenen Ansatz anders dar. Statt die Junior-Mannschaft direkt zu verkleinern, soll KI laut Bank einen Teil der repetitiven Arbeit übernehmen — Vergleichsanalysen erstellen, Daten prüfen, Präsentationen formatieren — und Analysten so für wertvollere Aufgaben freispielen. Nestor Paz-Galindo, Leiter des globalen Bankgeschäfts von UBS für die Region EMEA, vertrat diese Position in Äußerungen gegenüber Financial News, die von Startup Fortune wiedergegeben wurden: KI werde Junior-Banker nicht ersetzen, sondern verändern, womit sie ihre Zeit verbringen. Die Wette der Bank lautet, dass nicht stumpfe Tabellenarbeit, sondern Urteilsvermögen zur Fähigkeit wird, die über Einstellung und Beförderung entscheidet.
Was das für britische Unternehmen bedeutet
Für Unternehmen, die in Londons Finanz- und Technologiesektor Absolventen und Fachkräfte rekrutieren, setzt die UBS-Politik einen neuen Wettbewerbsmaßstab. Britische Arbeitgeber, die KI-Schulungen weiterhin als optionales Extra behandeln, riskieren, Kandidaten an Firmen zu verlieren, die KI-Kompetenz bereits im Vorstellungsgespräch prüfen und bei Gehalts- und Beförderungsentscheidungen honorieren. Eine KI-Bewertungsstufe fest in Absolventenprogramme einzubauen und die KI-Nutzung, wie UBS es nun tut, an Leistungsbeurteilungen zu koppeln, wird vom Unterscheidungsmerkmal zur Grunderwartung für jeden britischen Arbeitgeber, der um denselben Talentpool konkurriert.
Quellen
- UBS Now Requires New Junior Bankers to Prove They Can Use AIStartup Fortune · 6. September 2026
- UBS ties career progression and pay to staff AI fluency in major HR overhaulComplete AI Training · 6. September 2026



