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Gericht ordnet Herausgabe von OpenAI-Einstellungsakten an

Ein US-Bundesrichter verpflichtet OpenAI, Apple Unterlagen zu Bewerbungen ehemaliger Apple-Beschäftigter, private Nachrichten und Aussagen in einem Geheimnisstreit vorzulegen.

Die nullbot-RedaktionVeröffentlicht am 14. Oktober 20264 Min. LesezeitQuellen (2)
Das Gerichtsgebäude der Vereinigten Staaten in San Francisco
Sanfranman59 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Beschleunigte Beweisaufnahme teilweise bewilligt

Ein US-Bundesrichter hat Apple in seinem Verfahren gegen OpenAI einen beschleunigten Zugang zu bestimmten Unterlagen eingeräumt. Richter Edward Davila ordnete an, dass OpenAI Material zu Einstellungen ehemaliger Apple-Mitarbeiter herausgeben muss. Die Entscheidung betrifft die Beweisaufnahme und entscheidet nicht darüber, ob Geschäftsgeheimnisse tatsächlich entwendet oder unrechtmäßig verwendet wurden.

Apple hatte die Klage im Juli 2026 eingereicht. Der iPhone-Hersteller wirft OpenAI und früheren Apple-Beschäftigten vor, vertrauliche Informationen über nicht angekündigte Technologien, Funktionen und Produkte könnten unzulässig erlangt oder genutzt worden sein. OpenAI bestreitet die Vorwürfe und bezeichnet die Klage als unbegründet. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung; die Anschuldigungen sind bislang nicht rechtskräftig festgestellt.

Unterlagen aus Bewerbungsgesprächen

Der Beschluss betrifft Bewerbungsgespräche mit früheren Apple-Mitarbeitern, die sich bei OpenAI für Teams für Consumer-Hardware und Robotik beworben hatten. OpenAI entwickelt nach den vorliegenden Berichten ein Hardwareprodukt für Verbraucher. Apple erhält nun vorzeitig Zugang zu begrenzten Unterlagen, die Aufschluss darüber geben könnten, welche Themen im Zuge dieser Rekrutierungen behandelt wurden.

Zu den potenziell herauszugebenden Dokumenten gehören Checklisten, Leitfäden, Anweisungen, Handbücher und Gesprächsskripte. Auch technische Präsentationen und Aufzeichnungen können darunter fallen, sofern sie belegen könnten, dass in Gesprächen Apple-Technologie, Komponenten oder Projekte angesprochen wurden. Die Herausgabe bedeutet nicht, dass ein solcher Bezug oder eine unrechtmäßige Nutzung bereits bewiesen wäre.

OpenAI muss bereits gesammelte Materialien innerhalb von fünf Tagen vorlegen. Für weitere von der Anordnung erfasste Unterlagen gelten 14 Tage. Das Gericht folgte Apple damit teilweise in der Einschätzung, dass diese Beweise zügig gesichert werden sollten. Zugleich setzte Davila der verlangten Offenlegung klare Grenzen.

Private LINE-Nachrichten und digitale Beweise

Apple darf zudem private Nachrichten über den Messenger LINE einsehen, die zwischen in der Klage genannten Personen ausgetauscht wurden. Dazu zählen OpenAI-Mitarbeiter Chang Liu und Alyssa Peng. Olhar Digital berichtete, dass Nachrichten seit Januar 2026 Teil des Umfangs seien. Die Entscheidung umfasst außerdem forensische Abbilder von Geräten, die im Zusammenhang mit den Vorwürfen bereits gesichert worden sind.

Solche digitalen Spuren können helfen, Gespräche, Kontakte und mögliche Dokumentenwege vor oder nach einem Arbeitsplatzwechsel nachzuvollziehen. Ihre Existenz stellt aber keinen Beweis für einen Geheimnisverrat dar. Erst die Prüfung der Inhalte zusammen mit Zeugenaussagen, Einwendungen und weiteren Belegen kann die Tatsachengrundlage des Falls klären.

Die beschleunigte Beweisaufnahme umfasst insbesondere:

  • Checklisten, Leitfäden, Anweisungen, Handbücher und Skripte für Bewerbungsgespräche
  • technische Präsentationen und Gesprächsaufzeichnungen mit möglichen Apple-Bezügen
  • private LINE-Nachrichten zwischen den im Verfahren genannten Personen
  • bereits gesicherte forensische Geräteabbilder und digitale Beweismittel
  • Aussagen von Chang Liu, Alyssa Peng und Tang Yew Tan

Aussagen dreier ehemaliger Apple-Beschäftigter

Richter Davila genehmigte Befragungen von Chang Liu, Alyssa Peng und Tang Yew Tan, dem Hardware-Chef von OpenAI. Alle drei arbeiteten zuvor bei Apple. Laut Olhar Digital war Tan 24 Jahre bei Apple beschäftigt und vor seinem Wechsel zu OpenAI Vizepräsident für Produktdesign bei iPhone und Apple Watch. Liu soll rund acht Jahre als leitender Ingenieur für elektrische Systeme bei Apple gearbeitet haben.

Apple behauptet, frühere Mitarbeiter könnten Apple-Laptops genutzt haben, um vertrauliche Unterlagen herunterzuladen, und Dateien mit Informationen zu nicht angekündigten Produkten aufbewahrt haben. Das Unternehmen trägt ferner vor, frühere Apple-Mitarbeiter bei OpenAI könnten anderen wechselwilligen Beschäftigten Hinweise gegeben haben, welche Informationen sie in Vorstellungsgespräche mitbringen sollten. Diese Angaben sind Vorwürfe Apples und keine gerichtlichen Feststellungen.

Nach Apples Darstellung geht es unter anderem um technische Spezifikationen, Engineering-Präsentationen, proprietäre Projektdaten und Details zu noch nicht veröffentlichten Technologien. Apple vermutet, diese Informationen könnten in die Hardwareentwicklung von OpenAI eingeflossen sein. OpenAI weist dies zurück. Der Streit ist daher weiterhin offen, und die nun angeordneten Unterlagen sollen erst die weitere Prüfung ermöglichen.

Nicht jede Forderung Apples war erfolgreich

Das Gericht gewährte Apple keinen beschleunigten Zugang zu OpenAIs Forschung und Entwicklung in bestimmten Bereichen. Davila lehnte insbesondere eine vorrangige Herausgabe von Materialien zu Metalloberflächen, Energieverwaltung und Batteriearbeit für Verbrauchergeräte ab. Solche Unterlagen könnten in der regulären Beweisaufnahme noch eine Rolle spielen, erhalten aber nicht die nun angeordnete bevorzugte Behandlung.

Auch weiter gefasste Anträge, die auf OpenAIs Hardwareforschung insgesamt oder auf Arbeiten ehemaliger Apple-Mitarbeiter bei OpenAI zielten, wurden teilweise zurückgewiesen. Nach dem Bericht war Apples Begriffsbestimmung in Teilen zu unbestimmt und hätte OpenAI unverhältnismäßig belasten können. Apple kann seine Anträge jedoch enger fassen und erneut vorlegen.

Der Fall fällt in eine Phase, in der OpenAI seine Hardwareambitionen ausbaut. Olhar Digital zufolge übernahm OpenAI 2025 die mit dem früheren Apple-Designchef Jony Ive verbundene Firma io in einer angekündigten Transaktion über 6,5 Milliarden US-Dollar. Dieser Kontext erklärt das Interesse an den Rekrutierungen, beweist jedoch keine der im Verfahren erhobenen Behauptungen.

Bedeutung für den weiteren Prozess

Das Verfahren läuft weiter. Eine Anhörung soll sich mit OpenAIs Antrag auf Einstellung der Klage und mit Apples Antrag auf eine einstweilige Verfügung befassen, die eine Nutzung der behaupteten Geschäftsgeheimnisse verhindern soll. Die genehmigten Dokumente und Befragungen können die Beweislage erweitern, bestimmen aber nicht selbst den Ausgang.

Für Unternehmen und Organisationen im deutschsprachigen Raum unterstreicht der Beschluss die Bedeutung klarer Prozesse bei Einstellungen aus Wettbewerbsunternehmen. Gesprächsunterlagen, Vertraulichkeitsregeln, Gerätemanagement und Aufbewahrungspflichten können in grenzüberschreitenden Streitigkeiten relevant werden. Die Vorwürfe gegen OpenAI sind jedoch nicht bewiesen; daraus folgt kein Anlass, sie als feststehenden Sachverhalt zu behandeln.

Quellen

  1. Judge orders OpenAI to turn over hiring records in Apple trade secrets caseTechCrunch AI · 13. Oktober 2026
  2. Justiça obriga OpenAI a entregar documentos de contratação em processo da AppleOlhar Digital · 14. Oktober 2026

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