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Alibaba sammelt 10,2 Milliarden Dollar für die KI-Offensive

Alibaba hat 710 Millionen neue Aktien für 80 Milliarden Hongkong-Dollar (10,2 Milliarden Dollar) verkauft — die größte Kapitalerhöhung, die je in Hongkong platziert wurde —, um seine KI-Pläne zu finanzieren.

Die nullbot-RedaktionVeröffentlicht am 27. August 20264 Min. LesezeitQuellen (3)
Die Exchange-Square-Türme in Hongkong, Sitz der Börse Hongkong, an der Alibaba seine Aktienemission platzierte
Ank Kumar · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Die Alibaba Group hat an der Börse Hongkong 80 Milliarden Hongkong-Dollar eingesammelt, umgerechnet rund 10,2 Milliarden Dollar oder 8,8 Milliarden Euro. Der Konzern verkaufte 710 Millionen neue Aktien zu je 112,70 Hongkong-Dollar, das entspricht etwa 3,6 Prozent des erweiterten Grundkapitals. „Wir planen, hundert Prozent des Nettoerlöses aus der Aktienemission in unsere KI-Lösungen für die gesamte Wertschöpfungskette zu investieren“, teilte Alibaba in einer von der Nachrichtenagentur Bloomberg zitierten Erklärung mit.

Laut Bloomberg ist dies die größte Kapitalerhöhung, die je von einem in Hongkong notierten Unternehmen platziert wurde, und laut Reuters weltweit die drittgrößte Aktienemission des Jahres 2026, nach denen von Alphabet und Intel. Die Nachfrage institutioneller Investoren lag rund dreimal höher als das Angebot: Die Orders summierten sich auf etwa 28 Milliarden Dollar, wovon rund 6 Milliarden Dollar von langfristig orientierten Investoren und Staatsfonds stammten, wie Reuters unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtete. Zu den genannten Beteiligten zählen die Qatar Investment Authority, der norwegische Staatsfonds Norges und der Investor Hillhouse — keiner von beiden bestätigte dies selbst. Alibaba unterliegt einer neunzigtägigen Sperrfrist. Trotz der starken Nachfrage brach die in Hongkong notierte Alibaba-Aktie deutlich ein: Bloomberg berichtete von einem Kursrückgang um 8,5 Prozent, dem stärksten seit Anfang 2025, während Reuters von 10,5 Prozent sprach, bevor sich der Verlust auf etwa die Höhe des Emissionsabschlags verringerte — die beiden Quellen weichen also in der genauen Prozentzahl voneinander ab. Verwaltungsratschef Joseph Tsai und Konzernchef Eddie Wu kauften am selben Tag selbst Aktien: Tsai für umgerechnet rund 80 Millionen Hongkong-Dollar, Wu für etwa 40 Millionen, wie aus Meldungen an die Börse Hongkong hervorgeht.

Warum Alibaba so viel Kapital braucht

Die Emission folgt kurz nach Quartalszahlen, die zeigen, wie stark Alibaba bereits investiert. Die Investitionsausgaben stiegen im Quartal April bis Juni im Jahresvergleich um 75 Prozent auf 67,68 Milliarden Yuan (mehr als 10 Milliarden Dollar), vor allem durch Käufe von KI-Infrastruktur und Prozessoren, berichtete Reuters. Der Nettogewinn brach im selben Zeitraum deutlich ein — Reuters spricht von einem Rückgang um 75 Prozent, während Emerce „fast 60 Prozent“ nennt; das genaue Ausmaß des Gewinnrückgangs unterscheidet sich also je nach Quelle. Um seine KI-Strategie sichtbarer zu machen, schuf Alibaba zwei neue Bilanzierungseinheiten: AI Cloud & Compute Services einerseits und AI Labs & Applications andererseits, zu der die Verbraucher-App Qwen Consumer und die Geschäftsplattform QwenWork gehören. Der Umsatz der Cloud- und Computing-Sparte stieg um 45 Prozent auf 48,44 Milliarden Yuan (rund 7,1 Milliarden Dollar), und die Erlöse aus KI-Produkten überstiegen 1,8 Milliarden Dollar — das zwölfte Quartal in Folge mit dreistelligem Wachstum, wie aus konzerneigenen Zahlen hervorgeht.

  • Rechenleistung zum Trainieren und Betreiben von KI-Modellen
  • Eigene KI-Chips der Marke T-Head
  • Ausbau und Modernisierung von Rechenzentren

Die neue Emission kommt zum Investitionsprogramm hinzu, das Alibaba im Februar 2025 angekündigt hatte: mindestens 380 Milliarden Yuan (rund 56,5 Milliarden Dollar, 50 Milliarden Euro) für KI und Cloud-Infrastruktur über drei Jahre, von 2026 bis 2029. Mitte August hatte der Konzern davon bereits fast die Hälfte ausgegeben, berichtete Reuters. Konzernchef Eddie Wu begründete die Beschleunigung in der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen:

Um von künftigem Wachstum zu profitieren, müssen wir zuerst diese Kapitalinvestitionen tätigen und die notwendige Rechenkapazität aufbauen.

Eddie Wu, CEO von Alibaba

Alibaba rechnet damit, die Investitionen in rund drei Jahren wieder hereinzuholen, mit einer Margenverbesserung innerhalb von zweieinhalb Jahren — unter anderem, indem mehr eigene T-Head-Chips statt zugekaufter Prozessoren eingesetzt werden, was laut Wu die Bruttomarge des KI-Geschäfts steigern soll.

Chinesische Tech-Riesen liegen weiterhin weit hinter den USA zurück

Alibabas Schritt zeigt auch, wie ungleich das globale Wettrüsten bei KI-Investitionen verteilt ist. Die Vermögensverwaltung Capital Group schätzt, dass sich die kumulierten KI-Investitionsausgaben von Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta und Oracle bis Ende Juli auf 791 Milliarden Dollar summiert hatten, gegenüber 118 Milliarden Dollar für die vier größten chinesischen Tech-Konzerne ByteDance, Alibaba, Tencent und Baidu zusammen. Zum Vergleich: Das US-Unternehmen Anthropic sammelte allein in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 100 Milliarden Dollar bei Investoren ein — mehr als Alibabas gesamtes Dreijahresbudget für KI. Konkurrent Baidu plant derzeit keine neue Aktienemission, da die eigenen Barmittel und Reserven ausreichend seien, sagte ein Sprecher gegenüber Bloomberg.

Ein Teil des Rückstands erklärt sich durch US-Exportbeschränkungen für die leistungsstärksten KI-Chips von Nvidia, die chinesische Unternehmen zwingen, eigene Chips zu entwickeln und Modelle so zu optimieren, dass sie weniger Rechenleistung benötigen. Alibaba verkaufte zudem kürzlich seine Gaming-Sparte Lingxi Games an den Investmentfonds Trustar Capital, in einem Deal im Wert von mindestens 1,5 Milliarden Dollar — ein weiteres Zeichen dafür, dass der Konzern Kapital für seine KI- und Cloud-Strategie freisetzt.

Für deutsche und europäische Unternehmen, die Cloud-Dienste einkaufen, ist die Kapitalerhöhung ein Signal, dass Alibaba Cloud in den kommenden Jahren noch aggressiver mit AWS, Google Cloud und Microsoft Azure um Preis und Rechenkapazität konkurrieren wird — vor allem in Asien, wo Alibaba bereits einer der größten Anbieter ist. Zugleich befeuert der Schritt die anhaltende europäische Debatte über digitale Souveränität und die Abhängigkeit von nicht-europäischen Cloud-Anbietern, chinesische eingeschlossen. Analysten weisen darauf hin, dass Alibaba noch nicht gezeigt hat, wie seine KI-Ausgaben dauerhaft profitabel werden sollen, während der Binnenkonsum in China schwach bleibt — eine Frage, die für europäische Cloud-Kunden bei der langfristigen Anbieterwahl ebenso relevant ist.

Quellen

  1. Alibaba zet nog zwaarder in op AI: haalt 9 miljard opEmerce · 27. August 2026
  2. Alibaba raises US$10 billion in record Hong Kong share saleTaipei Times (Bloomberg) · 25. August 2026
  3. Alibaba to raise $10.2B for AI in Hong Kong share saleForkLog (Reuters) · 24. August 2026

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