Nvidia-Gewinn verdoppelt sich auf 59,7 Mrd. Dollar, +70% Ziel
Der Nettogewinn von Nvidia hat sich im zweiten Geschäftsquartal auf 59,7 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt, angetrieben von der Nachfrage nach KI-Chips, und das Unternehmen erwartet für nächstes Jahr ein Umsatzwachstum von 70%.

Nvidia hat für das zweite Geschäftsquartal Zahlen vorgelegt, die die Erwartungen der Wall Street deutlich übertroffen haben: Der Nettogewinn hat sich im Jahresvergleich mehr als verdoppelt, getragen von einer ungebrochenen Nachfrage nach Chips für künstliche Intelligenz. Laut dem eigenen Bericht des Unternehmens für das am 26. Juli 2026 beendete Quartal, veröffentlicht am 26. August 2026, erreichte der Nettogewinn nach GAAP-Standards 59,7 Milliarden Dollar, ein Plus von 126% gegenüber 26,4 Milliarden Dollar im Vorjahr, während der Umsatz um 106% auf 96,22 Milliarden Dollar stieg — mehr als die von Analysten erwarteten 92,165 Milliarden Dollar, wie aus von LSEG zusammengestellten und von CNBC zitierten Daten hervorgeht.
Der verwässerte Gewinn je Aktie kletterte um 128% auf 2,46 Dollar, die Bruttomarge stieg laut Nvidia auf 75,0%, ein Plus von 2,6 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Bereinigt (Non-GAAP) erreichte der Nettogewinn 53,95 Milliarden Dollar, ein Plus von 118%, mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 2,22 Dollar — ebenfalls über dem von CNBC zitierten Konsens von 2,10 Dollar. Die Nvidia-Aktie gab nach der Veröffentlichung zunächst leicht nach, drehte dann aber ins Plus und legte zu Beginn der Analystenkonferenz um mehr als 4% zu.
Eine Wachstumsprognose von 70% — begrenzt durch das Angebot, nicht durch die Nachfrage
Die größere Überraschung kam bei der Prognose. Finanzchefin Colette Kress sagte Investoren während der Telefonkonferenz, Nvidia rechne im Geschäftsjahr 2028 gegenüber 2027 mit einem Umsatzwachstum von 70% — weit über den durchschnittlich rund 44 bis 45%, die Analysten laut CNBC-Berichterstattung über den Call erwartet hatten. Es ist das erste Mal, dass Nvidia eine Prognose für ein ganzes Jahr im Voraus abgibt, was Kress und Firmenchef Jensen Huang als Zeichen dafür werteten, wie viel Einblick das Unternehmen inzwischen in die Bestellungen des kommenden Jahres hat.
Huang machte jedoch deutlich, dass die Prognose widerspiegelt, was Nvidia liefern kann, nicht was Kunden nachfragen. „Unsere Nachfrage ist weit größer als 70%“, sagte er während des Calls. „Unser Angebot erlaubt es uns, diese 70% zuverlässig zu liefern, und wir werden weiter mit unserer Lieferkette daran arbeiten, das zu steigern.“ Die wichtigste Einschränkung sei laut Kress der Speicher: Die Preise für die Speicherchips, die zu Nvidias GPUs gehören, steigen weltweit im Zuge des allgemeinen KI-Ausbaus, und sie rechnet damit, dass sie im Geschäftsjahr 2028 weiter steigen werden — eine Dynamik, die laut CNBC bereits die Aktie des Speicherherstellers Micron beflügelt hat.
Erreicht Nvidia das 70%-Ziel und bestätigt sich der Analystenkonsens von rund 396 Milliarden Dollar Umsatz für das Geschäftsjahr 2027, würde der Umsatz im Geschäftsjahr 2028 auf etwa 673 Milliarden Dollar steigen. Auf Basis der Umsatzprognosen der Wall Street für andere große US-Technologiekonzerne berichtete CNBC, dass Nvidia damit vor Apple und Alphabet und nur hinter Amazon läge — gemessen am Umsatz unter US-Technologieunternehmen. Ein bemerkenswerter Wandel für ein Unternehmen, das CNBC vor dem KI-Boom als „recht nischigen Chiphersteller“ beschrieb.
Von einem einzigen Labor zu einem „goldenen Zeitalter“ der KI-Käufer
Investoren treibt seit Langem eine Sorge um: dass Nvidias Wachstum von einer Handvoll Hyperscale-Cloud-Konzerne abhängt, die Rechenzentren vor allem für wenige führende KI-Labore bauen. Huang argumentierte, diese Abhängigkeit nehme ab. „Vor einem Jahr um diese Zeit trieb ein einziges Labor fast den gesamten Ausbau voran; heute erleben wir ein goldenes Zeitalter mit neuen KI-Laboren und Start-ups, mehreren führenden Laboren, die parallel wachsen, einem blühenden Ökosystem offener Modelle und physischer KI, die gerade Einzug hält“, sagte er in der Ergebnismitteilung.
Die Zahlen des Quartals veranschaulichen diesen Wandel. Nvidias größtes Segment, Data Center, erzielte 89,0 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 117% gegenüber dem Vorjahr, aufgeteilt in zwei Kategorien, dazu kommt das kleinere Segment Edge Computing:
- Die Hyperscale-Umsätze — von großen Public-Cloud-Anbietern und Internetkonzernen wie Amazon, Microsoft, Meta und Alphabet — verdoppelten sich auf 48,7 Milliarden Dollar; Kress zufolge liegt der Auftragsbestand der Cloud-Branche inzwischen bei über 2 Billionen Dollar.
- Die Umsätze der Kategorie „AI Clouds, Industrial & Enterprise“ (ACIE) — von regionalen KI-Anbietern, „Neoclouds“, Start-ups, Staaten und Unternehmen — stiegen um 138% auf 40,3 Milliarden Dollar; ein Segment, das laut Huang bis vor Kurzem „weitgehend unsichtbar“ war.
- Das Segment Edge Computing, das PCs, Robotik und Automobil-Chips umfasst, trug 7,2 Milliarden Dollar bei, ein Plus von 27%.
530 Milliarden Dollar an Verpflichtungen — und die Frage der „zirkulären Finanzierung“
Neben den Ergebnissen legte Nvidia rund 530,5 Milliarden Dollar an finanziellen Verpflichtungen im Zusammenhang mit seiner Lieferkette und seinen Wetten auf KI-Infrastruktur offen — ein deutlicher Sprung gegenüber 366 Milliarden Dollar im Vorquartal. Darin enthalten sind 279 Milliarden Dollar, größtenteils für den Speicher-Einkauf vorgesehen, sowie 105 Milliarden Dollar zur Mitfinanzierung eines Rechenzentrumsprojekts in Ohio, wo OpenAI im Rahmen eines 20-jährigen Mietvertrags Hauptmieter sein wird. Kress ging direkt auf die Kritik an diesem Konstrukt ein: „Wir wissen, dass manche das zirkuläre Finanzierung nennen werden. Wir sehen das anders“, sagte sie und begründete die Investitionen mit der Stärke der Nachfrage und dem Ökosystem, das sie um Nvidias Plattform herum aufbauen.
Getrennt davon kündigten Nvidia und Amazon Web Services den Ausbau ihrer Partnerschaft an: AWS wird in den Geschäftsjahren 2027 und 2028 zwei Millionen zusätzliche Nvidia-GPUs in seiner Infrastruktur einsetzen, zusammen mit Nvidias Vera-CPUs und dessen Software-Stack für physische KI in der Lagerhausrobotik. Für das laufende dritte Quartal prognostizierte Nvidia einen Umsatz von 108,0 Milliarden Dollar, plus/minus 2% — eine Zahl, die von null Umsatz mit Data-Center-Rechenleistung aus China ausgeht.
Für deutsche und europäische Unternehmen, die ihre Cloud-Dienste, Software oder KI-Produkte auf Nvidia-Chips aufbauen, sind die Zahlen eine Bestätigung, dass die Investitionen in KI-Infrastruktur nicht nachlassen. Sie erinnern aber auch daran, wie konzentriert diese Lieferkette auf einen einzigen Anbieter bleibt: Nvidia selbst nennt Speicherengpässe als Obergrenze für sein Liefertempo und rechnet im kommenden Quartal mit einer leicht sinkenden Bruttomarge — ein Signal, dass Unternehmen in Deutschland und der übrigen EU, die von Nvidia-GPUs abhängen, mit längeren Wartezeiten oder höheren Kosten rechnen könnten, selbst wenn die Nachfrage weiter steigt.
Quellen
- Nvidia wows Wall Street with a strong quarter, eye-popping sales forecastCNBC · 26. August 2026
- Nvidia 70% growth forecast puts it on track to be tech No. 2 companyCNBC · 26. August 2026
- NVIDIA Announces Financial Results for Second Quarter Fiscal 2027NVIDIA Newsroom · 26. August 2026
- Nvidia net income more than doubles to $59.7bn as revenue climbs 106%Verdict · 26. August 2026



