Nvidia offenbar nahe an Hugging-Face-Kauf für 12,9 Mrd.
Nvidia soll sich auf den Kauf von Hugging Face für 12,9 Milliarden Dollar geeinigt haben, berichtet The Information — Business Insider zufolge ist aber noch kein Vertrag unterschrieben, der Deal könnte scheitern.

Nvidia soll sich darauf geeinigt haben, Hugging Face zu kaufen, die weltweit meistgenutzte Plattform für quelloffene KI-Modelle, in einem Deal, der das Unternehmen mit 12,9 Milliarden Dollar bewerten würde. Das berichtete The Information in der Nacht zum 26. August 2026, wie TechCrunch unter Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Quelle schreibt. Business Insider, das bereits am Wochenende zuvor als Erstes über Übernahmeinteresse an Hugging Face berichtet hatte, erklärte in derselben Nacht, die Gespräche — die das Unternehmen mit mehr als 13 Milliarden Dollar bewerten würden — hätten noch nicht zu einer unterschriebenen Vereinbarung geführt und könnten noch scheitern. TechCrunch bat sowohl Nvidia als auch Hugging Face um eine Stellungnahme; keines der beiden Unternehmen hatte bis zur Veröffentlichung reagiert, ein Schweigen Nvidias, das insofern auffällt, als der Konzern in der Vergangenheit Berichte, die er für ungenau hielt, meist schnell richtiggestellt hat.
Hugging Face wurde 2016 in New York von Geschäftsführer Clément Delangue, Julien Chaumond und Thomas Wolf gegründet und betreibt den Hub, ein Verzeichnis, in dem Entwickler offene KI-Modelle und Datensätze veröffentlichen, herunterladen und feinabstimmen. Ein Verkauf für rund 12,9 Milliarden Dollar entspräche fast dem 90-Fachen des geschätzten Jahresumsatzes des Unternehmens, wie das portugiesische Portal Pplware berichtet, und würde die 2023 in einer von Salesforce Ventures angeführten Finanzierungsrunde erreichte Bewertung von 4,5 Milliarden Dollar nahezu verdreifachen. An jener Runde hatte sich auch Nvidia selbst beteiligt, neben Alphabets GV und IBM Ventures.
Warum Nvidia sich im Open-Source-Bereich festsetzen will
Für Nvidia ginge es bei der Übernahme vor allem darum, die eigene Dominanz bei KI-Chips zu sichern — eine Position, die trotz eines aggressiven Produktzyklus zunehmend unter Druck gerät. OpenAI, Google, Amazon und Anthropic entwickeln inzwischen alle eigene KI-Prozessoren, um ihre Abhängigkeit von Nvidia-Hardware zu verringern. Ein florierendes Open-Source-Ökosystem bietet deren Kunden eine Alternative zu diesen geschlossenen Systemen und hält damit einen größeren Teil des Marktes von Nvidia-Chips abhängig — eine Dynamik, die den Konzern bereits dazu bewogen hat, zig Milliarden Dollar in eigene offene KI-Modelle zu investieren.
Hugging-Face-Geschäftsführer Clément Delangue hat sich einen Großteil des Jahres 2026 öffentlich hinter Nvidias Vorstoß für offene Modelle gestellt, während Regierungsvertreter in Washington darüber debattierten, ob die Verbreitung von KI-Systemen mit offenen Gewichten eingeschränkt werden sollte. Die Debatte hatte sich verschärft, nachdem der chinesische Anbieter Moonshot AI sein Modell Kimi K3 veröffentlicht hatte, das in Benchmarks mit führenden US-Systemen mithielt, aber deutlich günstiger trainiert werden konnte. Anfang des Monats sagte Delangue in der CBS-Sendung "Face the Nation", Hugging Face habe nach einem Cyberangriff eine von Nvidia angepasste Version eines chinesischen Open-Source-Modells genutzt, um die eigene Infrastruktur zu verteidigen, und verwies auf einen offenen Brief — unterzeichnet von Nvidia-Chef Jensen Huang und 24 weiteren Unternehmen, darunter Hugging Face selbst —, der die US-Regierung auffordert, offene Modelle zu fördern statt einzuschränken. In einem separaten CNBC-Interview Ende Juli hatte Delangue Ähnliches gesagt und gewarnt, China dominiere die quelloffene KI "eindeutig".
Ein Comeback im Cloud-Geschäft — und ein finanzielles Sicherheitsnetz
Der Deal wäre zugleich eine Art Rückkehr Nvidias ins Cloud-Geschäft, das der Konzern vor etwa einem Jahr mit dem Rückzug seines DGX-Cloud-Angebots zurückgefahren hatte. Hugging Face erlaubt Entwicklern bereits, Rechenleistung zum Betrieb ihrer Modelle zu mieten, und der Besitz der Plattform könnte Nvidia laut The Information einen Weg zurück in dieses Geschäft ermöglichen, ohne bei null anzufangen. Der Deal böte zudem ein finanzielles Polster: Nvidia hat zugesagt, Kunden bei zig Milliarden Dollar schweren Cloud-Computing-Verpflichtungen zu unterstützen, und der Besitz von Hugging Face würde dem Konzern einen Kanal verschaffen, um Kapazität weiterzuverkaufen, die diese Kunden am Ende nicht nutzen.
- 12,9 Milliarden Dollar — der von The Information genannte Preis; Business Insider beziffert die Bewertung separat mit „mehr als 13 Milliarden Dollar“
- 4,5 Milliarden Dollar — Hugging Faces Bewertung in der letzten Finanzierungsrunde, einer 2023 abgeschlossenen Kapitalerhöhung über 235 Millionen Dollar
- 7 Milliarden Dollar — die Bewertung, die einem 500-Millionen-Dollar-Investitionsangebot von Nvidia zugrunde gelegen hätte, das Hugging Face laut Financial Times Ende 2025 ablehnte
- 150 Millionen Dollar — Hugging Faces geschätzter Jahresumsatz, gegenüber rund 100 Millionen Dollar zwei Monate zuvor, laut The Information
Teil einer breiteren Konsolidierung der KI-Infrastruktur
Die Gespräche fallen in eine Zeit, in der Nvidia zugleich eigene Rekordzahlen vermeldet — die nicht mit dem Preis verwechselt werden sollten, den der Konzern angeblich für Hugging Face bietet. Laut dem Bericht von Golem.de zu Nvidias Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahrs 2027 lag der Quartalsumsatz bei 96,2 Milliarden Dollar, knapp unter der 100-Milliarden-Marke, bei einem Nettogewinn von fast 54 Milliarden Dollar, getragen vor allem von einer rund 89 Milliarden Dollar schweren Rechenzentrumssparte, die um 117 Prozent im Jahresvergleich wuchs. Diese 96,2 Milliarden Dollar beschreiben Nvidias eigenes Geschäft im Quartal — sie haben nichts mit dem etwa siebenmal kleineren Preis von 12,9 bis 13 Milliarden Dollar zu tun, den alle konsultierten Quellen der Hugging-Face-Übernahme selbst zuschreiben.
Ein Deal dieser Größenordnung würde auch in ein breiteres Konsolidierungsmuster bei Unternehmen passen, die zwischen KI-Entwicklern und Modellanbietern stehen, statt selbst Spitzenmodelle zu bauen. Am 19. August hatte sich der Zahlungsdienstleister Stripe bereit erklärt, OpenRouter zu übernehmen, ein Startup, mit dem Entwickler je nach Kosten und Aufgabe zwischen verschiedenen KI-Modellen wechseln können, in einem Deal, der Berichten zufolge mehr als 7 Milliarden Dollar wert ist — ein deutlicher Sprung gegenüber der Bewertung von 1,3 Milliarden Dollar, die OpenRouter erst drei Monate zuvor, im Mai, in einer Serie-B-Runde erreicht hatte.
Für deutsche und europäische Unternehmen, die den Hugging-Face-Hub nutzen, um offene Modelle zu hosten, herunterzuladen oder feinabzustimmen, ist der Ausgang dieser Gespräche mehr als eine Schlagzeile. Hugging Face hat sich als neutrale Schicht positioniert, nutzbar unabhängig davon, welchen Cloud-Anbieter oder Chiphersteller ein Unternehmen bevorzugt; eine Übernahme durch Nvidia, das bereits jetzt zu den Investoren zählt, würde echte Fragen aufwerfen — ob diese Neutralität Bestand hat, wie sich Preise für Unternehmens-Hosting und Rechenleistung entwickeln könnten und ob Nvidias Konkurrenten bei KI-Chips denselben Zugang zu offenen Modellen behalten, auf die auch ihre eigenen Kunden angewiesen sind. Ohne unterschriebenen Vertrag und ohne öffentliche Stellungnahme beider Unternehmen bleiben diese Fragen offen — sie sind aber die, die es für jedes Unternehmen zu beobachten gilt, dessen Produkte auf Modellen aus dem Hub basieren, während sich die gemeldeten Gespräche entweder einem Abschluss nähern oder, wie Business Insider warnt, scheitern.
Quellen
- Nvidia closes in on Hugging Face acquisitionTechCrunch · 26. August 2026
- 96 Milliarden US-Dollar: Nvidia will mit Rekordeinnahmen Hugging Face kaufenGolem.de · 26. August 2026
- NVIDIA planeia comprar a Hugging Face por 12,9 mil milhões de dólaresPplware · 27. August 2026



