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Spanien will KI-Rechenzentren zu eigenem Ökostrom verpflichten

Spaniens Regierung bereitet ein Dekret vor, das neue Rechenzentren verpflichtet, 80 Prozent ihres Verbrauchs mit eigenen erneuerbaren Energien zu decken. Die Branche rechnet bis 2030 mit 67 Milliarden Euro Investitionen, Greenpeace warnt vor Folgen für den Wasserhaushalt.

Die nullbot-RedaktionVeröffentlicht am 12. September 20263 Min. LesezeitQuellen (2)
Reihen von Serverschränken in einem Rechenzentrum
Carl Lender from Sunrise, USA · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Angetrieben vom KI-Boom entwickelt sich Spanien zum führenden Standort für Rechenzentren in Südeuropa – doch die Regierung will nicht, dass diese Welle an Projekten um jeden Preis voranschreitet. Das Kabinett bereitet ein königliches Dekret vor, das Rechenzentren mit einer Anschlussleistung von mindestens 1 MW verpflichtet, 80 Prozent ihres Stromverbrauchs durch erneuerbaren Eigenverbrauch oder Stromabnahmeverträge (PPA) zu decken, die an neue spanische Anlagen für erneuerbare Energien gebunden sind – Anlagen, deren Inbetriebnahme höchstens 18 Monate vor dem Start des Rechenzentrums liegen darf.

Die umstrittenste Klausel: die stündliche Korrelation

Es reicht nicht, übers Jahr gerechnet viel Ökostrom einzukaufen: Die am meisten diskutierte Anforderung ist die sogenannte stündliche Korrelation, wonach in jeder einzelnen Stunde mindestens 80 Prozent des vom Rechenzentrum verbrauchten Stroms durch in derselben Stunde erzeugten erneuerbaren Strom gedeckt sein müssen. Genau hier liegt das eigentliche Problem: Ein Rechenzentrum läuft 24 Stunden am Tag, doch die Sonne scheint nachts nicht, und der Wind weht nicht auf Abruf. Die Branche argumentiert, dass die Erfüllung dieser Bedingung manche Projekte erheblich verteuern oder ohne zusätzliche Backup-Kapazitäten schlicht unrentabel machen würde.

Zwölf Gigawatt bereits im Netz reserviert

Das Ausmaß des Phänomens zeigt sich bereits im Stromnetz: Der Netzbetreiber Red Eléctrica hat Rechenzentren im Übertragungsnetz bereits mehr als 6 GW an Anschlusskapazität zugesagt, hinzu kommen rund weitere 6 GW, die seit 2020 im Verteilnetz gewährt wurden. Insgesamt sind damit bereits rund 12 GW an Kapazität reserviert – gegenüber den 3,5 bis 4 GW an Strombedarf, die Spaniens nationale KI-Strategie für die gesamte Branche bis 2030 vorgesehen hatte. Red Eléctrica bestätigt, dass der Verbrauch durch IT-Infrastrukturaktivitäten in manchen Monaten im Jahresvergleich um mehr als 75 Prozent gestiegen ist.

Die Kapazität von Rechenzentren angesichts einer Wasser- und Klimanotlage, wie Europa sie gerade erlebt, zu verdreifachen, ist ein ökologischer Unsinn und eine soziale Verantwortungslosigkeit.

Julio Barea, Wasserexperte bei Greenpeace

Wer am Ende die Stromrechnung zahlt

Der Stromverbrauch eines Rechenzentrums ist enorm, kontinuierlich und kaum flexibel. Müssen für diese Projekte mehr Verteilnetze, mehr Kraftwerke und mehr Backup-Kapazität gebaut werden – einschließlich Gas, falls Erneuerbare nicht ausreichen –, könnte ein Teil dieser Kosten am Ende auf die Stromrechnungen der Haushalte durchschlagen. Der Dekretentwurf selbst räumt dieses Risiko ein: Ein ungeordnetes Wachstum könnte den Einsatz von Gas als Grenzenergiequelle erhöhen und damit die Strompreise für alle Verbraucher:innen in die Höhe treiben. Genau das ist bereits in den USA geschehen, wo solche Rechenzentren die Stromrechnungen der Anwohner:innen in den betroffenen Regionen nach oben getrieben haben.

67 Milliarden Euro Investitionen – und die Wasserfrage als neue Front

Der Branchenverband Spain DC schätzt, dass die Branche in Spanien bis 2030 Investitionen von knapp 67 Milliarden Euro mobilisieren könnte. Parallel dazu stellte die Europäische Kommission im Juni das Gesetz zur Entwicklung von Cloud und KI (CADA) vor, das die Kapazität der Rechenzentren in der EU binnen 5 bis 7 Jahren verdreifachen soll, indem Genehmigungen beschleunigt und der Zugang zu Energie, Flächen und Wasser erleichtert werden. Die Europäische Umweltagentur warnt jedoch vor dem Wasser-Fußabdruck dieser Infrastruktur, der vor allem mit der Stromerzeugung zusammenhängt, die sie speist, aber auch mit der Kühlung und der Halbleiterherstellung. Spain DC entgegnet, dass ein Wachstum der digitalen Kapazität keinen proportionalen Anstieg des Wasserverbrauchs bedeute, und sieht das größte Einsparpotenzial bei Trockenkühlung, geschlossenen Kreisläufen, Free Cooling und aufbereitetem Wasser – räumt aber ein, dass Trockenkühlung bei extremer Hitze mehr Strom benötigen kann.

  • 80 Prozent des Stromverbrauchs müssen durch eigene Erneuerbare gedeckt werden, mit stündlicher Korrelation
  • Rund 12 GW an Kapazität bereits zugesagt, gegenüber 3,5-4 GW, die für 2030 erwartet wurden
  • 67 Milliarden Euro Investitionen, geschätzt von Spain DC bis 2030
  • Das EU-Gesetz CADA will die Kapazität der EU-Rechenzentren binnen 5-7 Jahren verdreifachen

Was das für Spanien bedeutet – und darüber hinaus

Für Verbraucher:innen hängt das Ergebnis davon ab, wie das laufende regulatorische Tauziehen ausgeht: Nach Einwänden der Branche zeigt sich die Regierung bereit, einige Punkte des Dekrets abzuschwächen, will aber am Schutz von Netz und Strompreis festhalten. Technologieunternehmen, Energieversorger und Investoren halten die stundengenaue Korrelationsanforderung für besonders schwer erfüllbar, und von der endgültigen Fassung der Regel wird abhängen, ob Spanien Investitionen in KI-Infrastruktur anziehen kann, ohne die Kosten auf die Haushalte abzuwälzen, wie es in den USA bereits geschehen ist. Reichlich vorhandene, preislich wettbewerbsfähige Erneuerbare, verfügbare Flächen und gute Konnektivität erklären, warum das Land zu einem zentralen Baustein des KI-Rechenausbaus in Südeuropa geworden ist; wie dieses Dekret ausgeht – aufmerksam beobachtet von anderen EU-Staaten bei der Umsetzung des CADA-Gesetzes – wird zeigen, ob sich diese Führungsrolle aufbauen lässt, ohne den Wasser- und Energiestress zu verschärfen, den Greenpeace und die Europäische Umweltagentur selbst bereits befürchten.

Quellen

  1. La expansión de los centros de datos pone a prueba los recursos hídricos de EspañaInfobae (EFE) · 12. September 2026
  2. Los centros de datos quieren instalarse en España. El Gobierno tiene una condición: que traigan su propia energíaXataka · 12. September 2026

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