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KI-Preiskrieg: Google halbiert Preise, DeepSeek vervierfacht seine

Innerhalb von drei Tagen bewegten sich die beiden Enden des Marktes in entgegengesetzte Richtungen. Google brachte Gemini 3.7 Flash zum halben Preis heraus, dreiundzwanzig Tage nach dem Vorgänger; DeepSeek hob seine Tarife um mehr als das Vierfache an. Für Unternehmen steckt der Teufel im Kleingedruckten — und Googles neuer Agent bleibt in Europa weiterhin außer Reichweite.

Die nullbot-RedaktionVeröffentlicht am 16. August 20263 Min. LesezeitQuellen (2)
Sundar Pichai, CEO von Google, fotografiert im Jahr 2023.
Photographer: Lukasz Kobus (European Commission) · CC BY 4.0 · Wikimedia Commons

Gemini 3.7 Flash erschien am Donnerstag, den 13. August, dreiundzwanzig Tage nach Gemini 3.6 Flash. Dieses Tempo ist längst kein Produktkalender mehr, sondern eher Dauerfeuer, und es sagt etwas über Googles Position aus: Die Flash-Reihe umfasst schnelle, günstige Modelle, die auf hohes Volumen und automatisierte Agenten zugeschnitten sind. Was weiterhin fehlt, ist jedoch das Spitzenmodell. Gemini 3.5 Pro, auf der Entwicklerkonferenz im Mai angekündigt und im Juli bei Partnern getestet, bleibt weiterhin unveröffentlicht.

Viel Flash, immer noch kein Pro

Auf dem Papier macht die neue Version deutliche Fortschritte beim Programmieren: Google gibt einen Sprung von 49 % auf 65,3 % im DeepSWE-Test an, von 34,4 % auf 43,6 % in einem weiteren Code-Test sowie einen nahezu verdoppelten Wert bei der Aufgabenautomatisierung. Das sind hauseigene Messwerte ohne veröffentlichte unabhängige Prüfung, weshalb sie mit Vorsicht zu genießen sind. Auch das interne Umfeld stimmt nicht gerade optimistisch: Die DeepMind-Sparte durchlief in der Vorwoche einen kompletten Umbau, bei dem der langjährige Leiter seinem Stellvertreter Platz machte, während zwei technische Verantwortliche hinter Gemini das Unternehmen verließen, um ihr eigenes zu gründen.

Die eigentliche Ankündigung stand in der Preisliste

Gemini 3.7 Flash kostet 0,75 US-Dollar pro Million Eingabe-Einheiten und 3,75 US-Dollar pro Million Ausgabe-Einheiten — die Hälfte des Einführungspreises des Vorgängermodells. Es handelt sich um einen Aktionspreis, der bis Jahresende gilt, bevor es zum vollen Tarif zurückgeht. Die strategische Entscheidung ist klar erkennbar: Statt dem besten Modell der Welt hinterherzujagen, wird Rechenleistung massenhaft zum aggressivsten Preis verkauft.

Nur ist dieses Terrain bereits besetzt. DeepSeek berechnete für seine schnelle Version bislang rund 0,14 US-Dollar pro Million Eingabe-Einheiten, fünfmal weniger als Google, und verbreitet seine Modelle unter einer offenen Lizenz — jedes Unternehmen kann sie auf eigenen Servern installieren, ohne jemandem etwas zu zahlen. Qwen von Alibaba spielt mit einer freizügigen Lizenz und Hunderten herunterladbaren Varianten dieselbe Karte. GLM, Kimi und MiniMax vervollständigen ein chinesisches Angebot, das den Preiskampf zu einer industriellen Strategie gemacht hat.

Die Kehrtwende von DeepSeek

Genau hier wird die Woche interessant. Am 13. August kündigte DeepSeek auf der eigenen Website eine neue Preisliste an, die seit dem 16. gilt. DeepSeek-V4-Flash kostet zu Spitzenzeiten nun 1,32 US-Dollar pro Million ausgegebener Tokens, gegenüber zuvor 0,28 US-Dollar — eine Vervierfachung. V4-Pro folgt derselben Logik, mit 3,96 gegenüber 0,87 US-Dollar. Nebenzeiten werden weiterhin zum halben Preis berechnet, wobei das Unternehmen offen einräumt, die Nachfrage lieber über den Preis als über Warteschlangen glätten zu wollen.

  • Gemini 3.7 Flash: 0,75 $ Eingabe, 3,75 $ Ausgabe pro Million Einheiten — Aktionspreis bis Ende 2026.
  • DeepSeek-V4-Flash: 1,32 $ Ausgabe zu Spitzenzeiten, gegenüber 0,28 $ vor dem 16. August.
  • DeepSeek-V4-Pro: 3,96 $ Ausgabe zu Spitzenzeiten, gegenüber zuvor 0,87 $.
  • Zum Vergleich: Kimi K3 kostet 15 $ und Fable 5 rund 50 $ pro Million erzeugter Tokens.

Auch nach dieser Erhöhung bleibt DeepSeek deutlich günstiger als die meisten Konkurrenten: Moonshot verlangt für Kimi K3 fünfzehn Dollar pro Million erzeugter Tokens, Anthropic rund fünfzig Dollar für Fable 5, laut von Bloomberg zitierten Vergleichen. Die Entwicklung erklärt sich weniger durch Kosten als durch den Finanzkalender: Das Unternehmen aus Hangzhou sammelt Kapital ein und peilt frühestens 2026 einen Börsengang an. Anders gesagt: Der Tiefstpreis des Marktes war nie ein wirtschaftliches Gleichgewicht, sondern eine Eroberungsposition, die sein eigener Urheber nun selbst zu verlassen beginnt.

Was deutsche Unternehmen davon mitnehmen

Zwei praktische Konsequenzen verdienen aus deutscher Sicht Beachtung. Die erste betrifft die Kalkulation: Die Preise, die heute zur Erstellung eines Automatisierungsbudgets dienen, sind auf beiden Seiten politische Preise — eine Aktion bei Google, eine im Abbau befindliche Eroberungsposition bei DeepSeek. Ein Lastplan, der auf den Preisen von August 2026 basiert, muss im Januar neu berechnet werden.

Die zweite ist geografischer Natur. Das neue Modell treibt Spark an, Googles persönlichen Agenten, der Aufgaben stellvertretend für Nutzer erledigen soll, der zahlenden Abonnenten vorbehalten ist und bereits in mehr als 160 Ländern verfügbar ist. Der Europäische Wirtschaftsraum, zu dem Deutschland gehört, die Schweiz und das Vereinigte Königreich sind ohne offizielle Begründung ausgeschlossen — dieselbe Ausgrenzung, die Apple bereits der neuen Siri-Generation auferlegt hat. Deutsche Entwicklerinnen und Entwickler können Gemini 3.7 Flash in den dafür vorgesehenen Tools nutzen, doch der Consumer-Agent, der darauf aufbaut, überschreitet die europäische Grenze nicht. Für ein deutsches Unternehmen stellt sich also nicht nur die Frage, welches Modell am günstigsten ist, sondern welches tatsächlich für die eigenen Teams verfügbar sein wird.

Quellen

  1. Gemini 3.7 Flash : Google délaisse les modèles de pointe pour affronter les IA chinoises sur le prix01net · 15. August 2026
  2. DeepSeek augmente brutalement le prix de ses modèles V4 : voici pourquoiLeBigData · 14. August 2026

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