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Meta Muse erstellt detaillierte Profile von Freunden, Familie und Kollegen

Meta gibt an, dass sein Muse‑Assistent automatisch für jede erwähnte Person eine eigene Seite anlegt und dabei Fakten, gemeinsame Ziele und offene Gespräche speichert – ausschließlich aus öffentlichen Daten und Nutzerangaben.

Die nullbot-RedaktionVeröffentlicht am 6. Oktober 20264 Min. LesezeitQuellen (2)
Eingangsschild am Meta-Hauptsitz in Menlo Park, Kalifornien
Nokia621 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Während eines routinemäßigen Chats mit dem KI‑Assistenten Muse zeigte der Forscher Karan Joshi die internen Anweisungen, die das Gedächtnis des Assistenten steuern. Der veröffentlichte Auszug bestätigt, dass Muse für jede vom Nutzer genannte Person – von engen Familienmitgliedern über lockere Bekannte bis hin zu gefolgten Social‑Media‑Accounts – eine eigenständige, automatisch generierte Seite erstellt, auf der sämtliche gesammelten Informationen strukturiert abgelegt werden.

Meta präsentiert dieses Feature öffentlich als ein Werkzeug zur Transparenz und Selbstkontrolle. Laut den Unternehmensangaben können alle Nutzer jederzeit auf die erstellten Seiten zugreifen, um exakt zu sehen, welche Fakten, Ziele und offenen Gespräche die KI über die in den Dialogen erwähnten Personen gespeichert hat.

Aufbau der automatisch erstellten Seiten

Jede Seite ist in mehrere klar abgegrenzte Abschnitte unterteilt. Der Bereich „Fakten“ listet ausschließlich verifizierbare Daten wie Geburtsdaten, öffentliche Positionen oder offizielle Titel auf. Der Abschnitt „Historie“ dokumentiert den genauen Zeitpunkt, zu dem die Person erstmals im Gespräch genannt wurde, sowie sämtliche nachfolgenden Aktualisierungen, die das System im Laufe der Zeit vornahm.

Im Feld „Beziehung" wird beschrieben, wie der Nutzer mit der betreffenden Person verbunden ist – etwa als Familienmitglied, Kollege, Freund oder rein zufälliger Kontakt. Der Teil „Gemeinsame Punkte" fasst geteilte Interessen, laufende Projekte, gemeinsame Ziele oder andere relevante Überschneidungen zusammen, um dem Nutzer einen schnellen Überblick über mögliche Anknüpfungspunkte zu geben.

Ein weiteres Segment mit der Bezeichnung „Ausstehende Diskussionen" kennzeichnet Themen, die bereits angesprochen, aber noch nicht abschließend behandelt wurden. Der Abschnitt „Möglichkeiten zur Stärkung der Bindung" schlägt konkrete Aktionen vor, beispielsweise das Versenden einer Glückwunschnachricht zu einem bevorstehenden Meilenstein oder das Anbieten einer gemeinsamen Aktivität, um die Beziehung zu vertiefen. Wichtig ist, dass das System ausdrücklich angewiesen ist, Felder leer zu lassen, anstatt fehlende Informationen zu erfinden.

Datenquellen und Isolationsmechanismen

Meta behauptet, Muse greife ausschließlich auf zwei Arten von Quellen zurück: öffentlich verfügbare Informationen, die bereits im Internet zu finden sind, und die Daten, die der Nutzer ausdrücklich während der Interaktion eingibt. Diese strikte Trennung soll sicherstellen, dass keine versteckten oder nicht autorisierten Datenquellen einfließen.

Um eine mögliche Kontamination zwischen unterschiedlichen Nutzern zu verhindern, wird jede Muse‑Instanz in einer eigenen virtuellen Maschine betrieben. Diese isolierte Umgebung ist für andere Agenten, Nutzer oder externe Dienste nicht zugänglich, wodurch ein Cross‑Talk‑Leak praktisch ausgeschlossen wird.

Das Unternehmen hebt zudem umfangreiche Nutzerkontrollen hervor. Jeder Nutzer kann einzelne gespeicherte Erinnerungen manuell löschen, Muse von externen Diensten trennen und muss kritische Aktionen wie das Versenden einer E‑Mail oder den Abschluss eines Kaufs ausdrücklich bestätigen. All diese Vorgänge werden protokolliert und bilden ein Prüfprotokoll, das jederzeit vom Kontoinhaber eingesehen werden kann.

Kritik und Datenschutzbedenken

Datenschutzaktivisten konzentrieren sich vor allem auf die indirekte Profilierung Dritter, die nie selbst mit Muse interagiert haben. Da der Assistent Daten über alle vom Nutzer genannten Personen sammelt, können diese ein detailliertes Dossier erhalten, ohne ihr ausdrückliches Einverständnis oder sogar ohne Kenntnis, dass ihre Daten erfasst werden.

  • Möglichkeit ungenauer oder veralteter Informationen
  • Fehlende direkte Einwilligung der profilierten Personen
  • Gefahr des Missbrauchs für zielgerichtete Werbung oder Manipulation
  • Schwierigkeiten für Dritte, Löschung oder Korrektur zu verlangen

Der Wired‑Artikel vom 05.10.2026 weist darauf hin, dass die automatische Erstellung dieser Seiten zu sogenannten „Schattenprofilen" führen kann, die das Datenökosystem von Meta über die ursprüngliche Nutzerbasis hinaus ausdehnen und damit neue Angriffsflächen für Missbrauch schaffen.

Der Beitrag von Next vom 06.10.2026 ergänzt, dass das enorme Volumen gespeicherter persönlicher Details die Fähigkeit der Nutzer, die Informationen zu verwalten oder zu prüfen, überfordern könnte, weil die Benutzeroberfläche bei hoher Anzahl von Profilen schnell unübersichtlich wird.

Meta betont, dass das Feature vollständig optional sei und dass die Nutzer die volle Kontrolle über Löschung und Trennung behalten. Dennoch hat das Unternehmen bislang keinen Mechanismus bereitgestellt, über den die in den Seiten beschriebenen Personen selbst eine Löschung beantragen können – ein Punkt, den Aufsichtsbehörden voraussichtlich genauer prüfen werden.

Für deutschsprachige Unternehmen bedeutet dies praktisch zwei Dinge. Erstens müssen interne Richtlinien berücksichtigen, dass die Nutzung von Muse durch Mitarbeitende unbeabsichtigt Profile von Kunden, Partnern oder Wettbewerbern erzeugen kann, was zu datenschutzrechtlichen Haftungsrisiken führt. Zweitens bieten die Audit‑Logs und Lösch‑Tools der IT‑Abteilung eine konkrete Möglichkeit, die Einhaltung von DSGVO, CCPA und ähnlichen Regelungen nachzuweisen, erfordern jedoch klare Verfahrensanweisungen, um sicherzustellen, dass Dritt‑Daten entsprechend verarbeitet werden.

Ein weiterer Aspekt, der für Unternehmen in der DACH‑Region relevant ist, betrifft die Dokumentationspflicht nach Art. 30 DSGVO. Die automatisch generierten Seiten erzeugen personenbezogene Daten, die im Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten erfasst werden müssen, und jede Löschanfrage muss nachvollziehbar protokolliert werden, um Compliance‑Nachweise zu erbringen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Meta Muse zwar als innovatives Transparenz‑ und Assistenzwerkzeug positioniert, gleichzeitig aber erhebliche Fragen hinsichtlich der Rechte Dritter, der Datenqualität und der praktischen Handhabbarkeit aufwirft. Die kommenden Monate werden zeigen, ob regulatorische Eingriffe und interne Unternehmensrichtlinien das Feature in ein akzeptables Gleichgewicht zwischen Nutzen und Datenschutz bringen können.

Quellen

  1. Muse creates detailed profiles of all your friends and familyWIRED · 5. Oktober 2026
  2. Meta Muse se souvient de beaucoup de choses sur l’utilisateur, mais aussi ses prochesNext · 6. Oktober 2026

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