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NYT‑Klage enthüllt interne Microsoft‑ und OpenAI‑Dokumente zum KI‑Daten‑Scraping

Unzensierte interne Memos von Microsoft und OpenAI wurden im NYT‑angeführten Urheberrechtsprozess eingereicht und zeigen, dass Führungskräfte das massenhafte Sammeln von Inhalten als beispiellosen Arbeitsdiebstahl bezeichnen.

Die nullbot-RedaktionVeröffentlicht am 18. September 20263 Min. LesezeitQuellen (2)
Das New‑York‑Times‑Gebäude in Manhattan bei Sonnenuntergang
Jdforrester · CC BY 4.0 · Wikimedia Commons

Im laufenden Urheberrechtsstreit, den The New York Times und weitere Verlage gegen Microsoft und OpenAI eingereicht haben, haben die Kläger unveröffentlichte interne Dokumente vorgelegt, die neue Einblicke in die Sichtweise der beiden Technologieriesen auf das großflächige Sammeln urheberrechtlich geschützter Inhalte für das Training generativer KI‑Modelle geben.

Die Einreichungen umfassen E‑Mails, interne Berichte und Präsentationsfolien, die vor ihrer Vorlage im Gerichtsprotokoll nicht zensiert wurden, wie die Berichterstattung von Ars Technica am 17. September 2026 und Golem.de am 18. September 2026 belegt.

Führungskräfte bezeichnen die Praxis als beispiellosen Diebstahl

Ein internes Memo zitiert Brent Hecht, Microsofts Director of Applied Sciences, der die massive Inhaltssammlung als „den größten Diebstahl von Arbeit in der Geschichte der Menschheit“ bezeichnete und damit die bisherige Unternehmensstrategie einer Fair‑Use‑Verteidigung grundlegend infrage stellte.

Hechts Kommentar, wie er in den Gerichtsunterlagen erscheint, stellt keine juristische Analyse dar, sondern spiegelt eine persönliche Sichtweise wider – ein Unterschied, den Microsoft später in seiner öffentlichen Stellungnahme ausdrücklich betonte.

Mögliche wirtschaftliche Rückkopplungsschleife

Ein weiteres internes Microsoft‑Dokument warnte vor einer sogenannten „destruktiven Schleife": KI‑Produkte, die auf urheberrechtlich geschützten Inhalten basieren, könnten die Einnahmen der ursprünglichen Inhaltsanbieter mindern, was wiederum die Menge an verfügbarem Material für künftiges Modell‑Training reduzieren würde.

Das Memo wies darauf hin, dass dieser Kreislauf die langfristige Gesundheit des Verlagsökosystems gefährden könnte, ein Anliegen, das von den Klägern in ihrer Klage aufgegriffen und durch statistische Analysen untermauert wird.

Belege für Rückgang des Traffics und Nutzerverhaltens

Die Kläger haben Daten präsentiert, die Klick‑Durch‑Raten‑Einbrüche von 83 % bis 93 % für bestimmte Überschriften und von 51 % bis 94 % für andere zeigen, nachdem KI‑generierte Antworten anstelle der Originalartikel angezeigt wurden. Diese Zahlen dienen als Beweismaterial, nicht als gerichtlich festgestellte Tatsache.

Interne Nachrichten von OpenAI zeigen, dass einige Mitarbeitende glaubten, Nutzer würden weniger wahrscheinlich auf einen Link klicken, wenn die Antwort bereits in der KI‑Antwort bereitgestellt wurde, was die Behauptung der Verlage über reduzierten Traffic bestärkt.

  • Brent Hecht bezeichnete das Scraping als „den größten Diebstahl von Arbeit in der Geschichte der Menschheit“
  • Microsoft warnte vor einer destruktiven Einnahmeschleife für Inhaltsproduzenten
  • Satya Nadella sagte, KI‑Assistenten könnten einen Besuch einer Website ersetzen, indem sie Informationen direkt liefern
  • OpenAI‑Mitarbeiter erwarteten niedrigere Klick‑Durch‑Raten, wenn Antworten vorab generiert werden

Satya Nadella, Microsofts CEO, sagte unter Eid, dass KI‑Assistenten einen Besuch der Originalquelle praktisch ersetzen könnten, indem sie die gewünschten Informationen direkt bereitstellen – eine Aussage, die mit den internen Bedenken über Traffic‑Verluste übereinstimmt.

Die Kläger behaupten zudem, dass eine Technik zur Umgehung von Bezahlschranken entdeckt wurde, die einem Drittanbieter ermöglichte, rund 1,8 Millionen New‑York‑Times‑Artikel unter kommerziellen Nutzungsbedingungen zu erhalten, die später für das Modell‑Training verwendet wurden.

Microsoft hat erklärt, dass die zitierten Aussagen die Sichtweise einzelner Mitarbeitender widerspiegeln und nicht die offizielle rechtliche Position des Unternehmens darstellen. Sowohl Microsoft als auch OpenAI argumentieren weiterhin, dass ihre Nutzung urheberrechtlich geschützter Materialien im Rahmen des Fair‑Use liegt, ein Anspruch, der noch nicht gerichtlich geklärt wurde.

OpenAI hat in internen Sitzungen betont, dass das Unternehmen bestrebt sei, Lizenzierungsmodelle zu prüfen, um zukünftige Rechtsunsicherheiten zu minimieren, wobei die Diskussionen jedoch noch in einem frühen Stadium sind.

Es wurde noch keine gerichtliche Entscheidung über die Sache getroffen; die Dokumente bleiben Teil des Beweisbestands, während das Verfahren auf ein inhaltliches Urteil zusteuert, das voraussichtlich noch mehrere Monate dauern wird.

Auswirkungen auf deutsche Unternehmen

Für deutsche Unternehmen signalisiert das Auftauchen dieser internen Unterlagen ein erhöhtes Risiko, wenn sie auf KI‑generierte Inhalte setzen. Die geäußerten Zweifel an der Fair‑Use‑Verteidigung und die quantifizierten Traffic‑Verluste deuten darauf hin, dass künftige Rechtsstreitigkeiten strengere Lizenzierungsanforderungen, mehr Transparenz bei der Datenbeschaffung und möglicherweise höhere Kosten für den Einsatz groß‑skaliger Sprachmodelle, die auf urheberrechtlich geschützten Texten basieren, mit sich bringen könnten.

In der Praxis bedeutet das, dass Unternehmen in Deutschland künftig prüfen müssen, ob ihre KI‑Lösungen auf rechtlich abgesicherten Datenquellen beruhen, und im Zweifel Lizenzverträge mit Verlagen und Medienhäusern abschließen, um das Risiko von Unterlassungsansprüchen zu minimieren.

Quellen

  1. Microsoft exec called AI scraping the largest theft of labor in human historyArs Technica · 17. September 2026
  2. Ungeschwärzte Dokumente belasten Microsoft und OpenAIGolem.de · 18. September 2026

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