Über 80 britische Stars fordern gesetzliches Eigentum an der Stimme
Nicola Coughlan, Matt Lucas, Hugh Bonneville und mehr als 80 weitere Namen haben einen offenen Brief an Premierminister Andy Burnham unterzeichnet, der ein Gesetz zum rechtlichen Eigentum an der eigenen Stimme gegenüber KI-Klonen fordert.

Mehr als 80 Schauspielerinnen, Schauspieler und weitere Persönlichkeiten der britischen Kreativbranche unterstützen die Kampagne Save Our Voices Now, die eine Gesetzgebung fordert, mit der Menschen das rechtliche Eigentum an ihrer eigenen Stimme erhalten und mehr Kontrolle darüber bekommen, wie sie durch künstliche Intelligenz geklont wird. Nicola Coughlan, Matt Lucas, Hugh Bonneville, Luke Evans, Jen Brister, Siobhán McSweeney und Pearl Mackie zählen zu den Unterzeichnern eines offenen Briefes an Premierminister Andy Burnham, begleitet von einer Petition auf der offiziellen Regierungsplattform Gov.uk.
Beim Stimmenklonen wird ein KI-System mit einer kurzen Aufnahme der Stimme einer Person trainiert und anschließend genutzt, um synthetische Sprache in genau dieser Stimme zu erzeugen — mit Worten, die die Person nie tatsächlich gesagt hat.
Der Brief fordert, dass jeder Mensch im Vereinigten Königreich als Teil seiner gesetzlichen Rechte das Eigentum an der eigenen Stimme zugesprochen bekommt, sodass eine Klonung mit KI eine ausdrückliche Zustimmung erfordern würde. Mitgegründet wurde die Kampagne von Peter Caulfield, der die Lage unverblümt beschreibt: „In nur drei Sekunden kann mit dem richtigen KI-System Ihre Stimme geklont, gestohlen und neu interpretiert werden, ohne dass Sie es wissen. Das ist wie eine Folge von Black Mirror, nur dass es keine Fiktion ist. Es passiert gerade jetzt." Er fügte hinzu, „die Regierung erlaubt es KI-Unternehmen, die Stimmen von Künstlern ohne deren Zustimmung zu stehlen und daraus Profit zu schlagen", während sie gleichzeitig zulasse, „dass Kriminelle KI nutzen, um die Identität von Menschen zu klonen und alle zu bedrohen".
Was die Schauspieler sagen
Bonneville, bekannt aus Paddington und Downton Abbey, beschrieb das Thema als Identitätsfrage: „Meine Stimme ist einzigartig, sie gehört mir, sie ist Teil meiner Identität. Ihre auch. Das ist es wert, dass man sich dazu äußert." Er betonte, das Zitat sei „handschriftlich verfasst worden, nicht von einer KI erzeugt".
McSweeney, Coughlans Kollegin aus Derry Girls, ging noch weiter und bezeichnete die Bedrohung als existenziell für den gesamten Berufsstand: „Ich mache mir große Sorgen, dass Gesetzgebung, Verträge, Arbeitspraktiken, Ethik und die Rechte von Künstlern nicht so schnell berücksichtigt und geschützt werden, wie die KI-Technologie voranschreitet. Das ist ein existenzielles Problem, das so schnell wie möglich gesetzlich geregelt werden muss. Meine Stimme ist eines meiner Werkzeuge." Sie wolle KI nicht komplett aus der Branche verbannen, betonte sie, sondern den Menschen im Prozess behalten: „Um mit dem technologischen Fortschritt Schritt zu halten, sehe ich nicht ein, warum wir den Menschen aus der Gleichung streichen sollten. Unser Publikum will diese menschliche Verbindung. Nicht KI."
Eine Bedrohung, die über den Datenschutz hinausgeht
Die Kampagne nennt zudem eine markante Zahl: 28 Prozent der britischen Erwachsenen geben demnach an, bereits Ziel eines Stimmenklon-Betrugs gewesen zu sein, bei dem Betrüger eine KI-generierte Kopie einer vertrauten Stimme — eines Verwandten, einer Kollegin, einer öffentlichen Person — nutzen, um Geld oder Informationen zu erschleichen. Alice Sockett, Hörbuchsprecherin und eine weitere Mitgründerin der Kampagne, sagte der BBC, Stimmendiebstahl nehme „jede Woche zu" und stelle inzwischen „eine existenzielle Bedrohung für unsere gesamte Branche" dar.
Dänemark hat bereits gehandelt
Save Our Voices Now verweist auf Dänemark als Beleg dafür, dass eine solche Gesetzgebung möglich ist: jüngste dänische Rechtsreformen geben Bürgern das rechtliche Eigentum an ihrem eigenen Gesicht, Körper und ihrer Stimme und erlauben ihnen, die Entfernung unautorisierter KI-generierter Inhalte zu verlangen und bei nicht genehmigter Nutzung Entschädigung zu fordern. Die Kampagne will, dass Westminster diesem Beispiel folgt, statt abzuwarten, bis sich der Schaden häuft.
Nicht alle Kunstschaffenden sind sich einig
Die Debatte ist selbst innerhalb der Branche nicht einhellig. Manche Kunstschaffende schützen ihre Stimme bereits vorsorglich: Harry Shearer, der mehrere Figuren der Simpsons spricht, sagte, er habe „mit Anwälten gesprochen", um zu verhindern, dass seine Stimme nach seinem Tod nachgebildet wird. Andere begrüßen die Technologie: Der Nachlass von Gene Wilder genehmigte kürzlich, eine per KI nachgebildete Version seiner Stimme für eine neue, von Willy Wonka inspirierte Netflix-Realityserie zu verwenden. Seine Witwe, Karen B. Wilder, erklärte, dies bringe seine „Wärme und Fantasie ... einer neuen Generation nahe und ehre zugleich die Fans, die ihn seit Jahrzehnten schätzen".
Was das für deutsche Synchronsprecher bedeutet
Deutschland hat eine der größten Synchronindustrien der Welt: Fast jeder ausländische Film und jede Serie wird für den deutschen Markt neu vertont, statt untertitelt zu werden. Der Ausgang dieser britischen Kampagne betrifft deutsche Synchronsprecherinnen und Synchronsprecher deshalb unmittelbar — sie wirft die Frage auf, ob ihre Stimmen künftig per KI geklont werden könnten, um andere Werke zu vertonen, ohne dass sie zustimmen oder dafür bezahlt werden. Deutschland verfügt bereits über das Recht am eigenen Bild und verwandte Persönlichkeitsrechte, doch ein Gesetz, das speziell das KI-Stimmenklonen regelt, fehlt bislang. Sollte das Vereinigte Königreich ein gesetzliches Eigentumsrecht an der Stimme durchsetzen, wäre das neben Dänemark ein weiterer europäischer Präzedenzfall, auf den sich deutsche Branchenverbände der Synchronbranche berufen könnten, um einen vergleichbaren Rahmen zu fordern.



