Meta schließt Lücke, die heimliches Weiterfilmen mit KI-Brille erlaubte
Ein Update stoppt die Kamera der Ray-Ban-Meta-Brille, sobald die Warn-LED während einer laufenden Aufnahme verdeckt wird, und schließt damit eine Umgehung des einzigen Hinweises für Umstehende — die Korrektur kommt inmitten einer Sammelklage in den USA und EU-Untersuchungen.

Meta verteilt ein Software-Update für seine KI-gestützte Smart-Brille der Ray-Ban-Meta-Reihe, das eine vom Unternehmen selbst identifizierte Datenschutzlücke schließt. Bisher konnte eine Nutzerin oder ein Nutzer eine Videoaufnahme starten und erst danach die vordere LED mit dem Finger oder einem Aufkleber abdecken, um unbemerkt weiterzufilmen. Die Leuchte verhinderte bereits den Start einer Aufnahme, wenn sie abgedeckt war, nicht aber die Fortsetzung einer bereits laufenden Aufnahme — genau diese Lücke schließt das neue Update.
Wie die Lücke funktionierte
Metas Smart-Brille schaltete die Kamera bereits ab, wenn jemand die vordere LED physisch abdeckte, bevor er zu filmen versuchte. Die Leuchte blinkt immer, wenn das Gerät ein Foto oder Video aufnimmt, und dient so als visuelles Warnsignal für Umstehende. Das Problem laut Meta: Es genügte, die Reihenfolge umzukehren — erst die Aufnahme starten und die Leuchte erst danach abdecken —, um weiter zu filmen, ohne dass das Warnsignal sichtbar blieb. Alex Himel, Metas Vice President für Wearables, kündigte die Korrektur in einem Beitrag auf Threads an: „Die Kamera hört jetzt auf zu funktionieren, wenn die Leuchte während einer Aufnahme abgedeckt wird.“
Die Korrektur kommt gut einen Monat, nachdem Meta die Brille bereits so aktualisiert hatte, dass die Kamera abschaltet, wenn jemand physisch in die Funktion der Aufnahmeleuchte eingreift. Himel spielte das Ausmaß des Problems herunter: „Nur eine sehr kleine Minderheit versucht, diese Schutzmaßnahmen zu umgehen, und dass sie dafür so weit gehen müssen, zeigt, dass unsere Maßnahmen wirken.“ Ars Technica merkt jedoch an, dass böswillige Nutzer die Brille weiterhin physisch modifizieren oder die Leuchte manipulieren könnten, ohne die Aufnahme zu beeinträchtigen, und dass unklar sei, ob halbtransparente Aufkleber — die die LED weniger auffällig machen, ohne sie ganz zu verdecken — die neue Schutzmaßnahme weiterhin umgehen.
Unter Druck von Regulierern und Gerichten
Die Korrektur fällt in eine Zeit wachsenden regulatorischen Drucks in Europa. Datenschutzbehörden der Europäischen Union prüfen Metas Brille und vermuten, das Unternehmen habe möglicherweise nicht ausreichend im Feld getestet, ob die Öffentlichkeit die Sicherheitsfunktion der LED überhaupt versteht. Laut Politico, zitiert von Ars Technica, erwägt Deutschland ein Verbot des Geräts, nachdem eine gemeinnützige Organisation Strafanzeige wegen eines mutmaßlichen Verstoßes gegen die strengen deutschen Datenschutzgesetze erstattet hat; mehrere weitere EU-Staaten prüfen ähnliche Maßnahmen, aus Sorge vor einer Ausweitung der Massenüberwachung. Der Europäische Datenschutzausschuss (EDSA) will noch dieses Jahr einen Bericht veröffentlichen, der festlegen soll, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, damit niemand in der EU ohne Zustimmung gefilmt wird.
In den USA ist eine landesweite Sammelklage in Vorbereitung, die Meta vorwirft, in der Werbung für seine Brille wiederholt über Datenschutzrisiken gelogen zu haben — das Unternehmen hat auf die Klage noch nicht reagiert. Laut der von Ars Technica zitierten Klageschrift informiert Meta Nutzer nicht darüber, dass menschliche Daten-Annotatoren in Kenia das von der Brille aufgenommene Material sichten, um Metas KI zu trainieren — darunter auch sensible, private Momente, die ohne Wissen der betroffenen Personen aufgezeichnet wurden. Die Kläger fordern Schadenersatz, einschließlich Strafschadenersatz, und wollen Meta zwingen, seine Werbeaussagen zum Datenschutz zu ändern.
- LED VOR Aufnahmestart abgedeckt: Kamera war bereits blockiert
- LED WÄHREND der Aufnahme abgedeckt: die Lücke, die das Update jetzt schließt
- Vorheriges Update, vor gut einem Monat: Blockade gegen physische Eingriffe an der Leuchte
- Sammelklage in den USA und Untersuchungen europäischer Regulierer laufen weiter, unabhängig von dieser Korrektur
Über die technische Korrektur hinaus hat Meta laut Unternehmenssprecher Albert Aydin eine Werbekampagne in Regionen gestartet, in denen sich die Brille gut verkauft. Eine Plakatwand in Los Angeles zeigt die Brille mit dem Satz: „Die Kamera lässt dich den Moment festhalten. Die Leuchte lässt alle um dich herum wissen, wann du das tust.“ Das Unternehmen veröffentlichte zudem ein Video, das die Funktion der LED erklärt, mit dem Slogan „keine Leuchte, keine Aufnahme“.
Wir werden weiterhin solche Updates ausliefern, damit die Aufnahme-LED zuverlässig Umstehende alarmieren kann, wenn Fotos oder Videos für die Galerie von jemandem aufgenommen werden.
Für Deutschland, wo eine gemeinnützige Organisation bereits eine Strafanzeige gegen die Brille eingereicht hat und ein Verbot geprüft wird, ändert die Korrektur wenig an der eigentlichen Debatte: Sie schließt einen konkreten technischen Trick, beantwortet aber nicht die Frage, die die deutsche Anzeige aufwirft — ob eine Leuchte allein ausreicht, um dem strengen deutschen Datenschutzrecht beim Filmen von Menschen ohne ihre Zustimmung zu genügen.
Quellen
- Meta corrige falha de privacidade em óculos inteligentes e tenta impedir gravação indevidaOlhar Digital · 28. August 2026
- Meta makes AI glasses slightly less creepy with limit on nonconsensual recordingArs Technica · 28. August 2026



