Sony und Universal klagen Suno wegen angeblicher Urheberrechtsverletzung im v6‑Modell
Sony Music Entertainment und Universal Music Group haben eine neue Klage gegen das KI‑Musik‑Startup Suno eingereicht und behaupten, das aktuelle v6‑Modell erbe unlizenzierte Inhalte aus früheren Versionen.

Am 25. September 2026 reichten Sony Music Entertainment und Universal Music Group eine neue Klage gegen das KI‑Musik‑Startup Suno wegen seines v6‑Modells ein. Die Beschwerde behauptet, dass die neueste Version von Sunos Technologie weiterhin auf urheberrechtlich geschützten Aufnahmen basiert, die die Labels nie lizenziert haben.
Die beiden Plattenfirmen weisen darauf hin, dass Suno zuvor Lizenzvereinbarungen mit Warner Music Group, BMG und Believe abgeschlossen hatte, Sony und Universal jedoch bewusst von diesen Verträgen ausgenommen wurden. Diese Auslassung bildet das Kernargument der Kläger, dass Sunos Trainingsdaten unlizenzierte Materialien enthalten.
Vorwürfe zu früheren Modellen
Laut der Beschwerde wurden Sunos frühere Modelle auf einem Korpus von Aufnahmen trainiert, die von YouTube und anderen Online‑Quellen ohne Erlaubnis der Rechteinhaber gesammelt wurden. Sony und Universal argumentieren, dass diese Aufnahmen die „Quellaufnahmen“ bilden, die der angeblichen Verletzung zugrunde liegen.
Die Klage behauptet weiter, dass das v6‑Modell nicht auf einem sauberen Blatt begonnen wurde. Stattdessen sei es mit von Nutzern erstellten Kreationen trainiert worden, die ihrerseits von den früheren, angeblich verletzenden Modellen erzeugt wurden. Dieses indirekte Training, so die Kläger, schaffe eine Kopierkette, die nicht durch bloßen Datensatzwechsel durchbrochen werden kann.
Modell‑Waschen und das „vergiftete‑Baum“-Analogon
Die Beschwerde verwendet den Begriff „Modell‑Waschen“, um Sunos Vorgehensweise zu beschreiben, und suggeriert, dass das Unternehmen versucht habe, die illegalen Ursprünge seiner Daten durch erneutes Training auf abgeleiteten Ausgaben zu säubern. Zur Veranschaulichung nutzt die Klage das Bild eines vergifteten Baumes: Sind die Wurzeln kontaminiert, wird auch jede Frucht, die daraus wächst, befleckt sein.
Sunos Mitbegründer Jack Brody erwiderte, dass v6 „von Grund auf“ mit einem neuen Datensatz trainiert wurde, der Nutzerdaten enthielt. Während er bestätigte, dass nutzergenerierte Inhalte Teil des Trainingsmaterials seien, lehnte er es ab, weitere Details zur Herkunft oder Provenienz dieser Dateien zu geben.
Technische Behauptungen zur Destillation
Sony wirft Suno zudem vor, eine Technik namens Destillation eingesetzt zu haben, bei der ein größeres „Lehrermodell“ sein Verhalten auf ein kleineres „Schülermodell“ überträgt. Die Kläger argumentieren, dass, wenn das Lehrermodell auf unlizenzierte Aufnahmen trainiert wurde, das destillierte Schülermodell – v6 – unweigerlich dasselbe verletzende Verhalten reproduzieren wird.
Die von den Labels vorgebrachte Rechtsauffassung besagt, dass indirektes Training die Verbindung zu den angeblich unautorisierten Quellaufnahmen nicht kappen kann. Anders ausgedrückt, selbst wenn v6 die Originaltracks nie gesehen hat, reicht seine Exposition gegenüber den Ausgaben früherer Modelle aus, um nach geltender Urheberrechtsdoktrin haftbar zu sein.
- Frühere Suno‑Modelle wurden mit unlizenzierter YouTube‑Musik trainiert
- Nutzerkreationen, die aus jenen Modellen stammen, flossen in das v6‑Training ein
- Destillationsprozess übertrug Verhalten vom Lehr‑ zum Schülermodell
- Beschwerde stellt die Kette als vergifteten Baum dar, der weiterhin befleckt bleibt
Es ist wichtig zu betonen, dass die Vorwürfe bislang nur Behauptungen in einer Klage sind. Noch hat kein Gericht entschieden, ob Sunos v6‑Modell tatsächlich Urheberrechte verletzt, und die Argumente der Klage wurden noch nicht gerichtlich geprüft.
Mögliche Auswirkungen eines Urteils
Sollte das Gericht letztlich die Theorie von Sony und Universal akzeptieren, könnte das Urteil einen Präzedenzfall dafür schaffen, wie KI‑generierte Inhalte behandelt werden, wenn sie auf den Ausgaben früherer, potenziell verletzender Modelle basieren. Ein solches Urteil würde die Haftungsfrage über das direkte Kopieren geschützter Werke hinaus auf indirekte, abgeleitete Trainingspipelines ausdehnen.
Für Unternehmen, die KI‑generierte Musik nutzen – sei es für Werbung, Videoproduktion oder Streaming‑Dienste – signalisiert die Klage die Notwendigkeit, nicht nur die Rohdaten des Trainings, sondern auch die Herkunft jedes Modells genau zu prüfen. Firmen sollten transparente Dokumentationen zur Trainingshistorie verlangen und sicherstellen, dass jeder Schritt der Pipeline frei von unlizenzierter Musik ist.
Einige Experten warnen, dass ein zu strenges rechtliches Umfeld Innovationen im KI‑Musik‑Sektor ersticken könnte. Sie argumentieren, dass klare Lizenzrahmen und standardisierte Daten‑Audits besser geeignet seien, um sowohl Urheberrechte zu schützen als auch technologische Entwicklung zu fördern.
Andere Beobachter sehen in der Klage einen notwendigen Schritt, um die Machtbalance zwischen großen Plattenlabels und agilen Start‑Ups zu korrigieren. Sie betonen, dass das unlizenzierte Nutzen von Millionen von Sekunden an Musikmaterial ohne Gegenleistung die Grundprinzipien des Urheberrechts untergräbt.
Ausblick und nächste Schritte
Die Parteien haben angekündigt, dass sie bereit sind, außergerichtliche Vergleiche zu prüfen, falls Suno nachweislich klare Lizenznachweise für alle genutzten Daten vorlegen kann. Gleichzeitig behalten Sony und Universal das Recht, die Klage bis zur endgültigen gerichtlichen Entscheidung aufrechtzuerhalten.
Im Moment bleibt das Verfahren offen, und die nächsten Verhandlungstermine werden voraussichtlich im Frühjahr 2027 an einem Bundesgericht in New York stattfinden. Beobachter aus der Branche verfolgen die Entwicklungen aufmerksam, da das Ergebnis weitreichende Folgen für die globale KI‑Musik‑Industrie haben könnte.
Lokaler Hinweis: In Berlin, wo Suno einen Teil seiner Forschungs‑ und Entwicklungsabteilung hat, haben mehrere Musik‑Start‑Ups bereits interne Richtlinien angepasst, um mögliche Lizenzrisiken künftig frühzeitig zu identifizieren.
Quellen
- Sony and UMG are suing Suno againThe Verge · 25. September 2026
- Sony Music, Universal Music Group Sue Suno Over Label-Backed ModelVariety · 25. September 2026



