Nvidia pausiert Teile seiner Umsatzbeteiligung an Rechenzentren
Laut einem Bericht des Wall Street Journal hat Nvidia mehrere Verträge seines Programms zur Umsatzbeteiligung an Rechenzentren wegen interner Kartellrechts-Bedenken ausgesetzt. Nvidia selbst bestreitet das gegenüber Tom's Hardware und spricht von einer Weiterentwicklung des Modells.

Nvidia hat laut einem Bericht des Wall Street Journal einen Teil der Verträge seines erst im Juli vorgestellten Programms zur Umsatzbeteiligung an Rechenzentren vorläufig ausgesetzt. Golem.de fasst den Bericht zusammen: Firmenintern habe es Bedenken gegeben, das Konzept könne eine Überprüfung durch die Wettbewerbsbehörden nach sich ziehen. Nvidia selbst weist die Darstellung zurück: Gegenüber Tom's Hardware erklärte ein Unternehmenssprecher, das im Juli vorgestellte Geschäftsmodell bestehe weiterhin und entwickle sich wegen der hohen Nachfrage laufend weiter.
Wie die Umsatzbeteiligung funktionieren sollte
Das Programm trägt intern den Namen DSX AI Factory beziehungsweise AI Compute Partnership. Es richtet sich an Betreiber neuer KI-Rechenzentren, die Milliardensummen investieren müssen, bevor genug zahlende Kunden feststehen. Nvidia wollte laut Golem.de mit diesen Partnern einen Mindestmietpreis für seine GPUs aushandeln, der die Ausgaben und Abschreibungen des Betreibers deckt. Von allen Einnahmen darüber hinaus sollte sich Nvidia 50 Prozent sichern. Im Gegenzug versprach der Konzern, bei Finanzierung, Planung und Bau zu unterstützen und selbst nicht vermarktete Rechenzeit abzunehmen. Finanzchefin Colette Kress beschrieb das Modell beim Quartalsgespräch mit Analysten so, zitiert von Tom's Hardware: Nvidia werde dabei zweimal bezahlt, einmal beim Verkauf der Hardware und ein zweites Mal durch den Anteil an den Mieteinnahmen. Anders als bei einer klassischen Zirkelfinanzierung verleiht Nvidia dabei kein Geld direkt, sondern gibt Nachfragezusagen und garantierte Umsatzniveaus ab, was laut Tom's Hardware intern die Sorge vor einer kartellrechtlichen Prüfung mit ausgelöst haben dürfte. Laut einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC hatte Nvidia bis zum 26. Juli 2026 bereits Abnahmegarantien im Volumen von 36 Milliarden US-Dollar über jeweils rund sechs Jahre Laufzeit vereinbart.
Die Bedenken der eigenen Belegschaft
Golem.de berichtet unter Berufung auf das Wall Street Journal, dass Mitarbeiter aus zwei Gründen intern Alarm schlugen. Erstens befürchteten sie eine kartellrechtliche Prüfung, weil Nvidia mit dem Programm sehr tief in den Betrieb seiner Kunden eingreift. Zweitens plante der Konzern demnach, Partnerfirmen vorzuschreiben, an wen sie die gemieteten Nvidia-GPUs weitervermieten dürfen: Nur von Nvidia freigegebene Kunden sollten Zugang erhalten. Tom's Hardware ergänzt, dass Nvidia dabei bevorzugt die Kapazität auf mehrere kleinere KI-Firmen verteilen wollte, statt sie einem einzigen großen Abnehmer zu überlassen, aus Sorge, ein Großkunde könnte eigenen Projekten Konkurrenz machen. Mehreren Cloud-Betreibern habe diese Einmischung nicht gefallen: Sie hätten selbst entscheiden wollen, welche Kunden sie beliefern. Als Reaktion darauf habe Nvidia laut dem Bericht einen Teil der Vereinbarungen vorerst auf Eis gelegt.
- Programmstart Anfang Juli 2026, unter dem Namen AI Compute Partnership beziehungsweise DSX AI Factory.
- Mechanik: Mindestmietpreis plus 50 Prozent Beteiligung an den Mehreinnahmen, dazu eine Abnahmegarantie von Nvidia.
- Volumen: 36 Milliarden US-Dollar an Abnahmegarantien, Stand 26. Juli 2026, laut Mitteilung an die SEC.
- Vorwurf laut WSJ: Nvidia wollte vorschreiben, an welche Kunden Partner die GPUs vermieten dürfen, und bevorzugte viele kleine Abnehmer statt eines großen.
- Nvidias offizielle Position gegenüber Tom's Hardware: Das Programm bestehe fort und entwickle sich wegen hoher Nachfrage weiter.
Pause oder nur Dementi?
Tom's Hardware weist darauf hin, dass der WSJ-Bericht selbst nicht behauptet, Nvidia habe das Programm aufgegeben, sondern nur, dass einzelne Verträge pausiert worden seien. Nvidias Dementi wiederum bestätigt indirekt, dass sich etwas verändert: Ein Sprecher sagte dem Magazin wörtlich, das Modell entwickle sich wegen hoher Nachfrage weiter, was ebenfalls eine Änderung bedeutet, nur eben keine vollständige Aussetzung. Golem.de merkt an, dass offen bleibe, ob Nvidia grundsätzlich an dem Konzept festhält, denn der Konzern habe die Idee bereits mehreren Investmentgesellschaften vorgestellt.
Was das für deutsche Unternehmen bedeutet
Was das für deutsche Unternehmen bedeutet: Betreiber wie Schwarz Digits mit seiner Marke StackIT, T-Systems oder Aleph Alpha bauen derzeit eigene KI-Rechenzentren auf und sind auf verlässliche GPU-Lieferketten angewiesen. Sollte Nvidia die Konditionen des Programms tatsächlich überarbeiten, könnte das die Finanzierungsbedingungen für neue deutsche und europäische Rechenzentrumsprojekte verändern, etwa durch strengere oder lockerere Vorgaben dazu, welche Kunden beliefert werden dürfen. Zugleich passt die Episode zur wachsenden Aufmerksamkeit der EU-Wettbewerbsbehörde für Nvidias Marktmacht bei KI-Beschleunigern: Ein Konzern, der zugleich Hardware verkauft, Rechenzentren mitfinanziert und über die Kundenauswahl seiner Partner mitentscheidet, dürfte in Brüssel künftig genauer beobachtet werden als bisher. Für Start-ups, die selbst keine eigenen Rechenzentren bauen, sondern GPU-Kapazität bei solchen Partnern mieten, entscheidet die künftige Ausgestaltung des Programms mit darüber, wie leicht sie überhaupt an Nvidia-Hardware herankommen.
Quellen
- Nach interner Kritik: Nvidia rudert bei Rechenzentrums-Umsatzbeteiligung zurückGolem.de · 28. August 2026
- Nvidia denies pausing AI cloud commitments initiative after reported partner backlashTom's Hardware · 28. August 2026



