Nscale investiert 695 Millionen Euro mehr in Sines für KI
Das britische Unternehmen Nscale wird mehr als 66.000 Nvidia-Rubin-GPUs im Rechenzentrum von Start Campus in Sines, Portugal, installieren — eine der größten KI-Infrastrukturinvestitionen der Europäischen Union.

Das britische Unternehmen Nscale kündigte Anfang Mai eine Erweiterung seiner Vereinbarung mit Microsoft und Start Campus an, die mehr als 66.000 Nvidia-Rubin-Grafikkarten in das Rechenzentrum in Sines an der Küste des Alentejo, Portugal, bringen wird. Die zusätzliche Investition in Höhe von 695 Millionen Euro — 230 Millionen Euro in gemeinsam genutzte Infrastruktur und 465 Millionen Euro in ein zweites Gebäude mit 200 Megawatt Kapazität — kommt zu den rund 12.600 Nvidia-Blackwell-Ultra-Prozessoren hinzu, die Nscale bereits im ersten Gebäude desselben Komplexes installiert, im Rahmen einer im Oktober vergangenen Jahres angekündigten Vereinbarung.
Portugal als Tor zur europäischen KI
Laut Nscale handelt es sich um eines der bedeutendsten KI-Infrastrukturprojekte der Europäischen Union und um eines der größten, die je in Portugal umgesetzt wurden. Josh Payne, CEO und Gründer des Unternehmens, bezeichnete es als eine der bedeutendsten KI-Investitionen, die je im europäischen Block getätigt wurden. Das von Start Campus betriebene Rechenzentrum in Sines ist für eine Gesamtkapazität von 1,2 Gigawatt genehmigt, was das Unternehmen als klaren Weg beschreibt, um die steigende Nachfrage nach KI-Rechenleistung zu decken — angetrieben durch Chatbots wie ChatGPT, Copilot und Claude — zu einer Zeit, in der das Infrastrukturangebot in Europa langsamer wächst als die Nachfrage.
Die Verbindung zu Microsoft und das globale Wettrennen um Rechenleistung
Sowohl die Blackwell-Ultra-Prozessoren als auch die künftigen Nvidia-Rubin-Chips, deren Installation in Sines voraussichtlich Ende 2027 beginnen wird, bedienen Workloads von Microsoft. Microsoft hat sich verpflichtet, über Nscale mehr als 10 Milliarden US-Dollar in das portugiesische Rechenzentrum zu investieren — eine Zusage, die Firmenpräsident Brad Smith im November 2025 gemacht hat und die Teil von Microsofts „Digital Commitment to Europe“ ist, das eine Verdopplung der Rechenzentrumskapazität in 16 europäischen Ländern bis 2027 vorsieht. Die im Januar von Nvidia vorgestellte Vera-Rubin-Reihe wurde speziell für den Betrieb autonomer KI-Agenten entwickelt und verspricht eine bessere Energieeffizienz sowie niedrigere Rechenkosten als die Blackwell-Generation.
- Zusätzliche Investition von Nscale: 695 Millionen Euro (230 Millionen Euro Infrastruktur, 465 Millionen Euro neues Gebäude)
- Neue Prozessoren: mehr als 66.000 Nvidia-Rubin-GPUs, ab Ende 2027
- Bereits installiert: rund 12.600 Nvidia-Blackwell-Ultra-Prozessoren
- Genehmigte Kapazität des Rechenzentrums Sines: 1,2 Gigawatt
- Microsofts Investitionszusage in Sines: mehr als 10 Milliarden US-Dollar
Faktoren wie reichlich vorhandene, preislich wettbewerbsfähige erneuerbare Energie und die Verfügbarkeit englischsprachiger Fachkräfte machen Portugal zu einem attraktiven Standort für diese Art von Investition, zu einer Zeit, in der die reiferen europäischen Märkte mit Energieengpässen konfrontiert sind, die den Ausbau neuer Rechenzentren begrenzen. Daniel Boehm, Partner bei Davidson Kempner — einem der Ankeraktionäre von Start Campus —, betonte, dass die zusätzliche Finanzierung Portugals Position als aufstrebender KI-Standort in Europa festigt.
Das Gelände in Sines hat eine symbolträchtige Vorgeschichte: Es beherbergte zuvor ein Kohlekraftwerk, das stillgelegt wurde, bevor es zum Rechenzentrums-Campus umgebaut wurde — aus einem verlassenen fossilen Energiestandort wurde damit einer der größten KI-Rechenknotenpunkte Europas. Auch die Lage spielte bei der Standortwahl eine Rolle: Sines ist bereits Landepunkt mehrerer transatlantischer Unterseekabel, die Europa mit Afrika und Amerika verbinden, und der Tiefwasserhafen verschafft dem Standort logistische Vorteile beim Bau von Anlagen im Gigawatt-Maßstab, die nur wenige andere europäische Standorte bieten können.
Für deutsche Unternehmen liegt die eigentliche Lehre aus Sines nicht im direkten Zugang zu dieser Rechenkapazität — die vorerst globalen Microsoft-Kunden vorbehalten bleibt —, sondern in dem, was sie über das Ausmaß des europäischen Wettlaufs um KI-Infrastruktur aussagt: Mehr als 10 Milliarden US-Dollar, die ein einziger Cloud-Anbieter an einem einzigen Standort zusagt, zeigen, welches Kapital heute nötig ist, um um solche Kapazitäten zu konkurrieren. Für deutsche Zulieferer aus den Bereichen Kühltechnik, Energieinfrastruktur und Rechenzentrumsbau bedeutet ein Standort wie Sines zugleich einen potenziellen Auftraggeber auf europäischer Ebene — in einem Wettbewerb um Standorte, an dem sich auch deutsche Bundesländer mit eigenen Rechenzentrumsplänen beteiligen.



