Gemini 4 im Post-Training, Start deutlich vor Jahresende laut DeepMind-Chef
Koray Kavukcuoglu, seit August an der Spitze von Google DeepMind, sagt, Gemini 4 sei in einer frühen Post-Training-Phase, treibe intern bereits das Coding-Werkzeug Antigravity an und solle deutlich vor Ende 2026 erscheinen. Ein Datum nannte er nicht.

Googles nächstes Spitzenmodell rückt näher. Koray Kavukcuoglu, der inzwischen Google DeepMind leitet, sagte, Gemini 4 befinde sich in einer frühen Phase des Post-Trainings und Google hoffe, es deutlich vor Jahresende zu veröffentlichen, berichten The Decoder und Hipertextual. Er sprach auf dem AI Agenda Live Summit von The Information, seinem ersten Medienauftritt als Chef des Labors.
Post-Training ist die Phase, in der ein auf großen Datenmengen trainiertes Basismodell so verfeinert wird, dass es sich zuverlässig verhält: Anweisungen befolgt, bestimmte Anfragen ablehnt und die vorgesehenen Aufgaben gut erledigt. Ein Modell im Post-Training existiert, gilt aber noch nicht als fertig.
Was Kavukcuoglu zum Zeitplan sagte
Ziel sei es, so schnell wie möglich eine frühe post-trainierte Version zu veröffentlichen, weil das Team Ergebnisse sehe, die es begeistern, und dann schnelle Iterationen folgen zu lassen, sagte Kavukcuoglu laut The Decoder. Ingenieure nutzen das Modell intern bereits für Antigravity, Googles Plattform für agentisches Programmieren, berichten beide Quellen. Google arbeite noch an Schutzmechanismen und Sicherheitstests, ergänzt The Decoder.
Ein Datum nannte er nicht. Hipertextual merkt an, das Zeitfenster sei vage, ein Modell im Post-Training könne aber durchaus in wenigen Wochen fertig sein. Offen ist auch, ob Gemini 4 nur als Flash-Version kommt, die schnellere und günstigere Stufe, die Google in diesem Jahr bevorzugt hat, oder ob es endlich die Pro-Reihe erneuert.
Ein Rückstand, den Google aufholen muss
Gemini 4 wäre Googles erstes neues Spitzenmodell seit Gemini 3 Ende vergangenen Jahres, schreibt The Decoder. Seitdem hat das Unternehmen im Februar das Update Gemini 3.1 und mehrere kleinere, günstigere Flash-Modelle veröffentlicht. CEO Sundar Pichai hatte Gemini 3.5 Pro auf der Google I/O im Mai für Juni angekündigt, doch es erschien nie; laut der Financial Times, die The Decoder zitiert, verpasste das Projekt drei Termine. Kavukcuoglu sagte, Google sei einen kleinen Schritt zurückgetreten, um die Lerngeschwindigkeit zu maximieren, ohne zu sagen, ob Gemini 3.5 Pro gestrichen ist.
Die Konkurrenz hat inzwischen nachgelegt. Anthropic veröffentlichte diese Woche Claude Opus 5.5, nach den Versionen 5.1 von Mythos und Fable, und OpenAI brachte GPT-6 Sol und Luna heraus, die kleineren Geschwister seines leistungsfähigsten Modells Astra, erinnert Hipertextual. The Decoder hält diese Konkurrenzmodelle für deutlich leistungsfähiger als Googles aktuelle Spitzenmodelle. Kavukcuoglu gibt sich hundertprozentig zuversichtlich; für ihn sei es sicher, dass Google immer an der Spitze sein werde.
Ein Labor mit neuen Prioritäten
Kavukcuoglu, zuvor Technikchef, übernahm im August, nachdem Demis Hassabis als CEO von DeepMind zurückgetreten war; Hassabis leitet nun als Vorsitzender die Einheit und ist Chefwissenschaftler von Alphabet, so The Decoder. Kavukcuoglu führt das Tagesgeschäft ohne CEO-Titel, und die gesamte Gemini-Entwicklung zieht in die San Francisco Bay Area.
Seine Aussagen zur allgemeinen künstlichen Intelligenz markieren einen Wandel. Ob AGI erreicht sei, sei nicht die richtige Diskussion, sagte er; es gehe darum, ob man intelligente Agenten bauen könne, denen man vertraut. The Decoder stellt dem die Abschiedsnotiz von Hassabis gegenüber, der schrieb, AGI fühle sich zum Greifen nah an.
Das Labor hat zudem prominente Forscher verloren, berichtet The Decoder: Noam Shazeer wechselte im Juni zu OpenAI, AlphaFold-Nobelpreisträger John Jumper ging zu Anthropic, und Jeff Dean gründete mit Oriol Vinyals, Quoc Le und Sanjay Ghemawat das Start-up Discovery Loop. Laut Fortune, das The Decoder zitiert, sank das Verhältnis von Neueinstellungen zu Abgängen bei DeepMind von etwa 12 zu 1 im zweiten Quartal 2023 auf rund 2 zu 1 im dritten Quartal 2026.
- Stand: Gemini 4 befindet sich in einer frühen Post-Training-Phase.
- Interner Einsatz: Es treibt bereits Antigravity an, Googles Plattform für agentisches Programmieren.
- Zeitplan: deutlich vor Ende 2026, ohne konkretes Datum.
- Offen: ob es als Flash-, als Pro-Modell oder als beides kommt.
- Hintergrund: Gemini 3.5 Pro, für Juni versprochen, erschien nie.
Warum das Modell auch für Googles Chips zählt
Die Modellarbeit soll auch Googles Hardwaregeschäft helfen. Google verkauft seine TPU-Chips seit diesem Jahr direkt an Kunden und tritt damit stärker gegen Nvidia an; laut Kavukcuoglu zeigen neue Modelle den Hardwareingenieuren, wie sie die nächsten zwei oder drei Chipgenerationen entwerfen sollen, berichtet The Decoder.
Was das für Unternehmen in Deutschland bedeutet
Für Unternehmen, die auf Gemini aufbauen, ändert sich heute nichts, und ein Versprechen ohne Datum ist keine Veröffentlichung. Entscheidend ist die Planung: Teams, die Gemini Flash aus Kostengründen gewählt haben oder Google für Coding-Agenten mit OpenAI und Anthropic vergleichen, sollten in den kommenden Wochen oder Monaten mit einem neuen Spitzenmodell rechnen und ihre Evaluierungen leicht wiederholbar halten. Wer über Google Cloud eine bestimmte Modellversion für ein langes Projekt festlegt, sollte bedenken, dass sich Googles eigener Zeitplan für Gemini 3.5 Pro in diesem Jahr mehrfach verschoben hat.
Quellen
- Google revela nuevas pistas sobre cuándo llega Gemini 4Hipertextual · 24. September 2026
- Deepmind was built to chase AGI, but its new chief just wants Gemini 4 out the doorThe Decoder · 24. September 2026



