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Papst Leo warnt vor einem KI-„Paradies der Maschinen“

Am 25. September 2026 hat Papst Leo XIV. in Paris vor einer Entmenschlichung durch künstliche Intelligenz gewarnt. Technologie müsse dem Menschen dienen, nicht Herrschaft und Ungerechtigkeit verstärken.

Die nullbot-RedaktionVeröffentlicht am 26. September 20263 Min. LesezeitQuellen (2)
Papst Leo XIV. spricht bei einer Audienz mit den Medien im Mai 2025.
⁠ Edgar Beltrán , The Pillar · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Am 25. September 2026 hat Papst Leo XIV. zum Auftakt seines Frankreichbesuchs vor dem Verlust menschlicher Maßstäbe in einem „Paradies der Maschinen“ gewarnt. In einer Rede im Élysée-Palast sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche, künstliche Intelligenz dringe in den Alltag ein und präge ihn. Deshalb sei eine dringende Bildung zu ethischem Urteilsvermögen nötig, damit Menschen erkennen könnten, was moralisch richtig sei. Der Papst stellte die Technologie nicht als grundsätzlich abzulehnende Entwicklung dar, verband ihren Einsatz aber ausdrücklich mit der Frage nach Verantwortung und Menschenwürde.

Eine Warnung vor Entmenschlichung

Bei einer weiteren Ansprache am Sitz der Unesco in Paris präzisierte Leo seine Kritik. Neue Technologien müssten „im Dienst der menschlichen Person“ bleiben und dürften nicht zu einem weiteren Instrument von Beherrschung und Ungerechtigkeit werden. Jede Wissenschaft könne ihren eigentlichen Sinn verlieren, wenn sie ohne Ethik betrieben werde, sagte er. Seine Aussagen richten sich damit weniger gegen einzelne Anwendungen als gegen die Bedingungen, unter denen technische Systeme entwickelt, eingesetzt und bewertet werden.

Besonders deutlich wandte sich der Papst gegen eine Sprache, die Rechenleistung mit menschlichem Denken gleichsetzt. Einige künstliche Systeme hätten den Namen jener menschlichen Fähigkeit erhalten, die als Intelligenz bezeichnet werde. Gleichzeitig bestehe die Gefahr, dass Ideen und Beziehungen durch einen Prozess der Entmenschlichung verarmen. Leo stellte dem die „unveräußerliche Würde“ menschlicher Personen gegenüber. Diese Würde dürfe nicht davon abhängen, ob jemand effizient oder produktiv sei.

Was die Rede belegt – und was offenbleibt

Die Reden liefern keine technische Bewertung bestimmter KI-Modelle, Gesetze oder Unternehmen. Leo nannte weder konkrete Systeme noch messbare Risiken wie Fehlerquoten, Arbeitsplatzverluste oder Energieverbrauch. Seine Position ist eine ethische und politische Mahnung: Entscheidungen über automatisierte Systeme sollen nicht allein an Nutzen, Geschwindigkeit oder wirtschaftlichem Ertrag gemessen werden. Aus den vorliegenden Aussagen lässt sich daher keine unmittelbare kirchliche Forderung nach einem Verbot bestimmter KI-Anwendungen ableiten.

  • KI-Systeme sollen der menschlichen Person dienen und nicht zum Mittel der Dominanz werden.
  • Ethisches Urteilsvermögen müsse durch Bildung gestärkt werden.
  • Menschen dürften nicht nach Effizienz oder Produktivität bewertet und bei fehlender Leistung ausgesondert werden.
  • Wissenschaft und Technik benötigten nach Leos Darstellung ethische Grenzen und Verantwortung.

Der Zeitpunkt der Warnung ist Teil eines breiteren Besuchsprogramms. Leo, der 2025 zum Papst gewählt wurde, trat seine erste offizielle Reise nach Frankreich an. Die Berichte unterscheiden sich allerdings bei der Dauer: Der Guardian beschreibt einen dreitägigen Besuch, CNBC einen viertägigen Aufenthalt. Beide nennen Paris, Lourdes und Metz als Stationen. In Metz soll der Papst am Montag über den Frieden in Europa sprechen, während Russlands umfassender Krieg gegen die Ukraine in sein fünftes Jahr geht.

Technik, Recht und medizinische Fragen

Neben künstlicher Intelligenz sprach Leo gesellschaftliche Entwicklungen an, die nach seiner Auffassung Wissenschaft und Technologie zu gewinnorientierten Unternehmungen machen könnten. Er nannte genetische Manipulation, Leihmutterschaft, den Handel mit menschlichen Organen und die Möglichkeit, den eigenen Tod zu organisieren. Seine Äußerungen folgten auf ein französisches Gesetz vom Juni, das bestimmten erwachsenen Patientinnen und Patienten ein Recht auf assistiertes Sterben einräumt. Der Papst äußerte Sorge, ohne im vorliegenden Material konkrete Gesetzesänderungen oder einzelne medizinische Verfahren zu fordern.

Auch zu politischer Macht und Rechtsstaatlichkeit fand Leo scharfe Worte. Ohne Personen zu nennen, kritisierte er Führungskräfte, die das Recht nur dann anriefen, wenn es ihren Interessen diene, und es missachteten, wenn es sie begrenze. Zugleich appellierte er an Frankreich, ein unermüdlicher Verfechter des Friedens zu bleiben. Französische Politikerinnen und Politiker forderte er auf, sich nicht an die Aussicht auf Krieg zu gewöhnen oder ihn für unvermeidlich zu halten.

Der Besuch findet in einer für die französische Kirche schwierigen Lage statt. Nach einem Bericht von 2021 wurden in Frankreich über 70 Jahre schätzungsweise 330.000 Kinder von Priestern oder anderen kirchlich verbundenen Personen sexuell missbraucht; der Bericht sprach von einer systemischen Vertuschung. In Lourdes will Leo sieben Betroffene treffen. Überlebendenvertretungen hatten nach Angaben des Guardian kritisiert, dass mehr Betroffene hätten einbezogen werden sollen. Die Kirche erklärte demnach, der Papst strebe einen vertieften Dialog mit einzelnen Personen an.

Für Deutschland und die deutschsprachige Debatte ist die Pariser Ansprache vor allem als Aufforderung relevant, KI nicht nur über Innovationsfähigkeit zu diskutieren. Schulen, Hochschulen, Behörden und Unternehmen stehen vor praktischen Fragen: Wer prüft automatisierte Entscheidungen, wie werden Betroffene geschützt, und nach welchen Kriterien werden Systeme beschafft? Leos Antwort bleibt allgemein, setzt aber einen klaren Maßstab: Technik soll menschliche Würde und Verantwortung stützen. Gerade dort, wo Algorithmen Zugang zu Arbeit, Leistungen oder Informationen beeinflussen, bleibt diese Prüfung eine gesellschaftliche Aufgabe.

Quellen

  1. Pope Leo warns of AI threat to humanity at start of three-day France visit | Pope Leo XIV | The Guardiantheguardian.com
  2. Pope Leo warns in France that AI is creating 'paradise of machines'cnbc.com

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