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Etched sammelt 700 Mio. Dollar ein, Bewertung verdoppelt auf 21 Mrd.

Das KI-Chip-Startup Etched hat 700 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 21 Milliarden Dollar eingesammelt. Angeführt wurde die Runde von Jane Street, das die Hardware getestet und den ersten Rack von Etched gekauft hat.

Die nullbot-RedaktionVeröffentlicht am 19. August 20264 Min. LesezeitQuellen (2)
Reihen von Serverracks in einem Rechenzentrum
Carl Lender from Sunrise, USA · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Etched, ein Startup aus San Jose, das spezialisierte Computersysteme baut, um KI-Modelle auszuführen statt sie zu trainieren, gab am 18. August 2026 bekannt, 700 Millionen Dollar in einer Finanzierungsrunde eingesammelt zu haben, die das Unternehmen mit 21 Milliarden Dollar bewertet. Angeführt wurde die Runde von Jane Street, dem quantitativen Handelsunternehmen, das nach dem Testen der Hardware und der Installation des ersten gelieferten Racks im eigenen Rechenzentrum zum ersten Kunden von Etched wurde. Kleiner Perkins, Sequoia Capital, Andreessen Horowitz, Tiger Global, Bain Capital Ventures, Peter Thiel, Blackstone und mehrere weitere bestehende Investoren beteiligten sich ebenfalls.

Eine Bewertung, die sich in einem Monat verdoppelt hat

Das Tempo, mit dem die Bewertung von Etched steigt, ist selbst nach den Maßstäben des aktuellen KI-Finanzierungszyklus ungewöhnlich. Das Unternehmen wurde im Dezember 2025 mit 5 Milliarden Dollar bewertet, bevor es im Juli 2026 eine Series-C-Runde über 300 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 10,3 Milliarden Dollar abschloss. Einen Monat später bringt die neue Runde über 700 Millionen Dollar das Unternehmen auf 21 Milliarden Dollar – ein Anstieg von knapp 11 Milliarden Dollar in vier Wochen. Laut eigenen Angaben hat Etched seit der Gründung insgesamt 1,9 Milliarden Dollar eingesammelt.

Etched verkauft, was das Unternehmen "Frontier Inference Clusters" nennt: vollständige Systeme im Rack-Maßstab, die speziell für Inferenz gebaut wurden – den Rechenprozess, der abläuft, nachdem ein Nutzer einer KI ein Prompt übermittelt hat, im Gegensatz zum Training, bei dem das Modell selbst aufgebaut wird. Ein Inferenzchip ist ein Prozessor, der speziell für diese Aufgabe entwickelt und optimiert wurde statt für universelles Rechnen – deshalb positioniert Etched seine Hardware als Alternative zu den universellen Grafikprozessoren, kurz GPUs, bei denen Nvidia den Markt dominiert.

Zwei von Grund auf neu entwickelte Komponenten

Laut Etched-Mitgründer und Chief Operating Officer Robert Wachen konzentriert sich die Begeisterung der Investoren auf zwei Hardwarekomponenten, die das Unternehmen selbst entwickelt hat, um die beiden Phasen der Inferenz zu beschleunigen: "Prefill", bei dem das System einen eingehenden Prompt verarbeitet und versteht, und "Decode", bei dem es die Ausgabe-Tokens erzeugt, die der Nutzer tatsächlich sieht. Für die Prefill-Phase hat Etched einen sogenannten Low-Voltage-Inference-Chip entwickelt, der nach Angaben des Unternehmens mehr Transistoren als konkurrierende Designs unterbringt, ohne die üblichen Hitzeprobleme dieser Dichte, wodurch er mehr Tokens pro Sekunde verarbeiten kann. Für die Decode-Phase hat Etched ein neues Speicher- und Interconnect-System namens Cluster Scale Memory entwickelt, das es vielen Chips ermöglicht, sich einen einzigen, sehr schnellen Speicherpool mit niedriger Latenz zu teilen, statt dass jeder Chip mit eigenem separaten Speicher arbeitet.

Etched hatte ursprünglich nahegelegt, dass seine Chips in Silizium "eingraviert" (englisch "etched") würden, um ein einziges, spezifisches KI-Modell auszuführen – der Ursprung des Firmennamens. Mitgründer und CEO Gavin Uberti erklärte, dieser Plan habe sich inzwischen geändert: Die aktuellen Systeme des Unternehmens können jedes größere KI-Modell ausführen, einschließlich großer Mixture-of-Experts-Systeme und Nicht-Transformer-Architekturen, was Kunden mehr Flexibilität bietet, als der ursprüngliche Ansatz "ein Chip, ein Modell" vermuten ließ.

Der Rack von Jane Street – und was als Nächstes kommt

In einer Stellungnahme, die in der Finanzierungsankündigung von Etched zitiert wird, erklärte Jane Street: "Wir haben den Chip getestet und sind mit den ersten Ergebnissen zufrieden. Etcheds einzigartiger Ansatz für Inferenz liefert die Präzision, die wir für unsere anspruchsvollsten Workloads benötigen. Wir freuen uns, jetzt unseren eigenen Rack in unserem Rechenzentrum laufen zu haben." Etched zufolge wurde dieser erste Rack im vergangenen Monat an Jane Street ausgeliefert, und das Unternehmen führt darauf inzwischen aktiv Produktions-Workloads aus.

  • 700 Millionen Dollar eingesammelt in der neuen Runde, angeführt von Jane Street
  • 21 Milliarden Dollar Post-Money-Bewertung, gegenüber 10,3 Milliarden Dollar im Juli 2026
  • 1,9 Milliarden Dollar insgesamt von Etched seit der Gründung eingesammelt
  • Über 1 Milliarde Dollar an bereits unterzeichneten Kundenverträgen, laut Unternehmensangaben
  • Jane Street: erster Kunde, mit dem ersten gelieferten Rack im eigenen Rechenzentrum in Betrieb
  • Kerntechnologie: ein Low-Voltage-Inference-Chip für die Prefill-Phase und Cluster Scale Memory, ein gemeinsam genutzter Hochgeschwindigkeits-Speicherpool über das gesamte Cluster hinweg, für die Decode-Phase

Etched erklärt, derzeit drei Hardware-Generationen parallel zu entwickeln, um die Produktion für den Rest seines Kundenstamms hochzufahren, der öffentliche und private KI-Unternehmen sowie Cloud-Anbieter umfasst. Kleiner-Perkins-Managing-Partner Mamoon Hamid, dessen Fonds auch Anthropic, Databricks und Waymo unterstützt hat, sagte in der Ankündigung, "Inferenz wird zu einem der wichtigsten Infrastrukturmärkte der KI, und die Gewinner werden an Tokens pro Dollar und pro Watt gemessen" – eine Formulierung, die Etcheds Chips in direkte Konkurrenz zu der auf Inferenz optimierten Hardware stellt, die auch Nvidia, AMD und eine Welle weiterer spezialisierter Chip-Startups zu entwickeln versuchen.

Was das für den deutschen und europäischen Markt für KI-Infrastruktur bedeutet

Für deutsche und europäische Käufer von KI-Infrastruktur bringt der rasante Aufstieg von Etched eine glaubwürdige, wenn auch noch kleine Alternative zu Nvidia, zu einem Zeitpunkt, an dem Inferenz – nicht Training – für Unternehmen, die KI-Produkte im Produktivbetrieb einsetzen, zu den größeren und dauerhafteren Kosten wird. Der Londoner Standort von Jane Street gehört zu den größten quantitativen Handelsfirmen der City, und die Entscheidung, Etched-Hardware im eigenen Rechenzentrum einzusetzen, gibt europäischen Finanz- und Technologieunternehmen, auch in Deutschland, einen konkreten Referenzpunkt für einen Anbieter, der bis in dieses Jahr hinein größtenteils nur auf dem Papier existierte. Eine breitere Verfügbarkeit spezialisierter Inferenz-Cluster wäre vor allem für deutsche und europäische Unternehmen relevant, die derzeit hohe Preise für universelle GPU-Kapazität zahlen, um bereits trainierte Modelle zu betreiben – zu einer Zeit, in der Strombeschränkungen für Rechenzentren in Deutschland und im übrigen Europa die Effizienz pro Watt, einer der zentralen Vorteile, die Etched für sich beansprucht, zu einem unmittelbar relevanten Kriterium für Beschaffungsentscheidungen machen.

Quellen

  1. Etched's valuation doubles to $21B in a monthTechCrunch · 18. August 2026
  2. Etched Raises $700M at a $21B Valuation and Completes First Customer Delivery to Jane StreetGlobeNewswire (Etched) · 18. August 2026

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