Chinesische KI‑Modelle erzielen etwa 10 % des kombinierten ARR von OpenAI und Anthropic
Die Rhodium Group schätzt, dass chinesische KI‑Modelle rund 10,7 Milliarden Dollar Jahres‑Recurring‑Revenue erwirtschaften – etwa ein Zehntel des zusammengefassten ARR von OpenAI und Anthropic.

Die aktuelle Marktanalyse der Rhodium Group beziffert den gesamten Jahres‑Recurring‑Revenue (ARR) der führenden chinesischen KI‑Modellanbieter auf rund 10,7 Milliarden Dollar. Diese Summe entspricht etwa einem Zehntel des kombinierten ARR, das Rhodium für OpenAI mit 40 Milliarden Dollar und für Anthropic mit 65 Milliarden Dollar ansetzt.
Aufschlüsselung des chinesischen KI‑Umsatzes
Im chinesischen Cohort identifiziert Rhodium sechs Hauptakteure. DeepSeek wird mit einem ARR von 500 Millionen Dollar angegeben, MiniMax erreicht 800 Millionen Dollar, Moonshot erreicht die Marke von einer Milliarde Dollar, Z.ai wird mit 1,8 Milliarden Dollar bewertet, ByteDance erzielt rund 4 Milliarden Dollar und Alibaba verzeichnet 2,4 Milliarden Dollar. Diese Zahlen stammen aus einem kürzlich veröffentlichten monatlichen ARR‑Snapshot, der auf Jahresbasis hochgerechnet wurde und daher nicht zwingend die tatsächlich in einem zwölf‑Monats‑Zeitraum erhaltenen Geldflüsse widerspiegelt.
Vergleichende Bewertungsmultiplikatoren
Wird das ARR mit den öffentlich gemeldeten oder geschätzten Marktkapitalisierungen kombiniert, divergieren die Bewertungsmultiplikatoren stark. Moonshot wird mit rund dem 50‑fachen seines ARR gehandelt, DeepSeek erreicht das 163‑fache. Im Vergleich dazu wird OpenAI mit etwa dem 34‑fachen und Anthropic mit dem 21‑fachen ARR bewertet, laut Rhodiums interner Berechnung.
Die Differenz der Multiplikatoren spiegelt unterschiedliche Anlegererwartungen hinsichtlich Wachstum, Marktzugang und Skalierbarkeit der jeweiligen Geschäftsmodelle wider. Höhere Multiplikatoren für chinesische Start‑ups zeigen Optimismus hinsichtlich einer schnellen Nutzerakzeptanz, obwohl die Preisgestaltung im Durchschnitt niedriger ist als bei den US‑Konkurrenten.
Preisstrategien und Open‑Weight‑Modelle
Chinesische KI‑Anbieter konkurrieren häufig über den Preis, bieten niedrigere Abonnementgebühren und in einigen Fällen Open‑Weight‑Modelle, die Entwickler herunterladen und anpassen können. Dieser Ansatz erweitert die Nutzerbasis, erschwert jedoch die direkte Monetarisierung, weil Einnahmen über Zusatzdienste, Premium‑Features oder Enterprise‑Verträge generiert werden müssen.
Z.ai hat kürzlich seine interne Prognose angepasst und das Jahres‑ARR‑Ziel von 2,4 Milliarden Dollar auf 3 Milliarden Dollar erhöht. Rhodium weist darauf hin, dass eine Prognose noch kein realisiertes Ergebnis ist, die Aufwärtskorrektur jedoch das Vertrauen des Unternehmens in die Skalierung von Preis‑ und Service‑Angeboten unterstreicht.
Einschränkungen des Umsatzes als Qualitätsindikator
Rhodium warnt davor, dass Umsatzlücken allein die Modellqualität nicht bestimmen. Die ARR‑Lücke misst vor allem die Monetarisierungseffizienz, Vertriebskanäle und den Kapitalzugang, nicht jedoch die intrinsische Leistungsfähigkeit der zugrunde liegenden Modelle.
OpenAI und Anthropic profitieren von umfangreichen Venture‑Finanzierungen, großflächigen Cloud‑Partnerschaften und einem Marken‑Vorteil, der Premium‑Preise ermöglicht. Chinesische Firmen expandieren schnell, setzen jedoch häufig auf heimische Cloud‑Ökosysteme und staatlich‑ausgerichtete Finanzierungsstrukturen, was ihre Umsatzdynamik beeinflusst.
- DeepSeek – 500 Millionen $ ARR
- MiniMax – 800 Millionen $ ARR
- Moonshot – 1 Milliarde $ ARR
- Z.ai – 1,8 Milliarden $ ARR
- ByteDance – 4 Milliarden $ ARR
- Alibaba – 2,4 Milliarden $ ARR
Die von Rhodium angewandte ARR‑Methodik annualisiert einen kürzlich erfassten Monats‑Snapshot, was je nach saisonalen Vertragsabschlüssen und den Rechnungslegungsstandards der jeweiligen Jurisdiktionen zu Über‑ oder Unterschätzungen des tatsächlichen Cashflows führen kann.
Für Unternehmen, die KI‑Partnerschaften evaluieren, deuten die Daten darauf hin, dass chinesische Anbieter kostengünstige Alternativen bieten können, insbesondere für Workloads, die weniger empfindlich gegenüber den neuesten Modell‑Benchmarks sind. Der geringere ARR zeigt jedoch, dass viele dieser Firmen noch an der Entwicklung von Enterprise‑Support‑ und Compliance‑Frameworks arbeiten, die etablierte US‑Player bereits bereitstellen.
Praktisch bedeutet das für ein deutschsprachiges Unternehmen, das über einen Wechsel oder eine Diversifizierung seiner KI‑Dienstleister nachdenkt: Die sofortigen Kosteneinsparungen müssen gegen die Reife von Service‑Level‑Agreements, Daten‑Residency‑Anforderungen und die langfristige Nachhaltigkeit des Umsatzmodells abgewogen werden.
Der 10‑%‑Anteil am ARR signalisiert ein wachsendes, aber noch nischenhaftes Marktsegment, das sich für Pilotprojekte oder kostenbewusste Deployments eignet, während mission‑kritische Anwendungen wahrscheinlich weiterhin auf die etablierten Einnahmeströme und höheren Multiplikatoren von OpenAI oder Anthropic setzen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der chinesische KI‑Markt zwar an Volumen gewinnt, aber nach wie vor hinter den US‑Giganten zurückbleibt, sowohl in Bezug auf absolute Einnahmen als auch auf die Bewertung der zugrunde liegenden Technologie. Entscheider sollten diese Diskrepanz als Hinweis auf unterschiedliche Reifegrade und Risikoprofile verstehen.
Für Analysten, Investoren und Technologie‑Berater bietet das Bild von Rhodium einen wertvollen Rahmen, um die Dynamik zwischen Preis‑ und Qualitäts‑Trade‑offs zu beurteilen und fundierte Entscheidungen über zukünftige Partnerschaften und Kapitalallokationen zu treffen.
Quellen
- Los modelos chinos de IA generan 10 veces menos ingresosExpansión · 18. September 2026
- China's AI models make only 10% of U.S. leaders' revenueCNBC · 17. September 2026



