Apple verhandelt mit Verlagen über KI-gestützte Siri
Apple verhandelt laut Wall Street Journal mehrjährige Verträge mit Nachrichtenverlagen, um die neue KI-gestützte Siri mit Inhalten zu versorgen. Die neue Siri soll auf Googles Gemini-Technologie setzen. Das Budget könnte mehrere Hundert Millionen Dollar erreichen.

Apple verhandelt mit Nachrichtenverlagen über die Nutzung ihrer Inhalte für die nächste, von künstlicher Intelligenz angetriebene Generation von Siri, wie das Wall Street Journal berichtet — eine Nachricht, die unabhängig voneinander vom portugiesischen Medium ECO und von Engadget bestätigt wurde. Die Gespräche über neue mehrjährige Vereinbarungen sollen in den vergangenen Monaten begonnen haben, mit dem Ziel, Siri Zugang zu aktuellen Nachrichten und anderen Echtzeitinformationen zu verschaffen. Die neue Version des Assistenten soll auf Googles Gemini-Modellen basieren, die im Rahmen einer im Januar bestätigten mehrjährigen Partnerschaft zwischen beiden Unternehmen für Apple destilliert wurden.
Ein ungewöhnliches Bezahlmodell
Laut Wall Street Journal hat Apple ein variables Vergütungsmodell vorgeschlagen, bei dem Verlage jedes Mal bezahlt würden, wenn ihre Inhalte tatsächlich genutzt werden — anders als die meisten großen KI-Unternehmen wie OpenAI, die üblicherweise garantierte Pauschalbeträge im Austausch für einen breiten Zugang zu Inhalten anbieten. Das für diese Zahlungen vorgesehene Budget soll im neunstelligen Bereich liegen, also mehrere Hundert Millionen Dollar betragen — konkret läge Apples Budget damit zwischen 100 Millionen und knapp 1 Milliarde Dollar, ein Rahmen, der die bisher zwischen Verlagen und anderen KI-Unternehmen ausgehandelten Lizenzgebühren deutlich übersteigt. Apple wollte sich gegenüber dem Wall Street Journal nicht zu dem Bericht äußern; das Unternehmen hatte in der Vergangenheit bereits Verlage für den Zugang zu Inhalten bezahlt, der auch KI-Trainingsrechte einschloss.
Die KI-Siri soll im Herbst zusammen mit iOS 27, Apples nächstem jährlichen Update für sein mobiles Betriebssystem, bei den Nutzern ankommen, mit einer bemerkenswerten Ausnahme: Europa — Deutschland eingeschlossen — und China bleiben in dieser ersten Phase außen vor, aufgrund lokaler regulatorischer Anforderungen.
Der Hintergrund: Verlage werden gegenüber KI zunehmend misstrauisch
Diese Verhandlung findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem zahlreiche Verlage ihre Beziehung zu KI-Unternehmen neu bewerten — zwischen kommerziellen Vereinbarungen, Klagen und Beschwerden bei Aufsichtsbehörden. Manche Verlage schließen dabei neue Lizenzvereinbarungen ab, andere verklagen KI-Unternehmen wegen mutmaßlicher Urheberrechtsverletzungen, wieder andere reichen Beschwerden bei Wettbewerbs- oder Datenschutzbehörden ein. Das Wall Street Journal berichtete zudem kürzlich, dass das soziale Netzwerk Reddit erwägt, seine Vereinbarung mit Google zu beenden, die es dem Technologiekonzern erlaubt, seine Modelle im Austausch für 60 Millionen Dollar pro Jahr zu trainieren. Medien wie USA Today, Politico, The Economist, People Inc. und Reuters prüfen ebenfalls, wie — und ob — sie weiter mit Google zusammenarbeiten. Laut einem Bericht des Reuters Institute for the Study of Journalism rechnen Verlage in den kommenden drei Jahren mit einem Rückgang des Suchmaschinen-Traffics um mehr als 40 Prozent, teilweise zurückgeführt auf Googles KI-generierte Zusammenfassungen. In Großbritannien haben sich fünf große Medienkonzerne zur Koalition Standards for Publisher Usage Rights (SPUR) zusammengeschlossen, um gemeinsame Standards für die Lizenzierung von Inhalten an KI-Unternehmen festzulegen.
- Von Apple geplantes Budget: laut Wall Street Journal im Bereich mehrerer Hundert Millionen Dollar
- Bezahlmodell: variabel, abhängig von der tatsächlichen Nutzung des Inhalts, statt garantierter Pauschale
- Antrieb der neuen Siri: Googles Gemini-Modelle, für Apple destilliert
- Geplanter Start: Herbst 2026 mit iOS 27, außer in Europa und China
Warum das auch Deutschland betrifft, obwohl die KI-Siri noch nicht kommt
Auch wenn die KI-Version von Siri wegen europäischer regulatorischer Vorgaben nicht sofort in Deutschland startet, ist dieser Präzedenzfall für deutsche Verlage relevant: Sollte sich das Modell der nutzungsabhängigen Bezahlung für Apple als tragfähig erweisen, könnte es zum Vorbild werden, das andere KI-Unternehmen — einschließlich Google selbst — europäischen Verlagen künftig vorschlagen, in einem Bereich, in dem die Vergütung für in KI-generierten Antworten genutzte Inhalte auf europäischer Seite bislang weitgehend ungeklärt ist. Für deutsche Redaktionen, die bereits mit sinkendem Traffic aus Suchmaschinen zu kämpfen haben, wird genau zu beobachten sein, wie — oder ob — Apple künftig für Nachrichten bezahlt, die Siri zitiert, selbst wenn der Start sie vorerst noch außen vor lässt.
Quellen
- Apple em negociações com publishers para reforçar Siri com IAECO · 17. August 2026
- Apple is reportedly turning to publishers for help with Siri AIEngadget · 13. August 2026



