Rabbit startet OS3 – KI‑Agent in der Cloud ohne R1‑Hardware
Am 22. September 2026 hat Rabbit OS3 vorgestellt, ein plattformübergreifendes KI‑Agentensystem, das in der Cloud läuft und einen lokalen Knoten auf Windows, macOS oder Linux installiert, sodass Nutzer ohne das eingestellte R1‑Gerät arbeiten können.

Am 22. September 2026 hat Rabbit sein neuestes Produkt OS3 vorgestellt und damit die bisherige Abhängigkeit von der proprietären R1‑Hardwarebox endgültig beendet. Das Unternehmen positioniert OS3 als vollständig autonome KI‑Agentenplattform, die primär in der Cloud betrieben wird, jedoch automatisch einen leichten lokalen Knoten auf dem Rechner des Nutzers installiert – sei es Windows, macOS oder Linux – und so die Nutzung ohne ein physisches R1‑Gerät ermöglicht.
Der lokale Knoten übernimmt die Aufgabe, OS3 direkten Zugriff auf die auf dem Endgerät installierte Software, lokale Dateien und aktuell geöffnete Webseiten zu gewähren. Damit kann die KI‑Agentin Aktionen in der Desktop‑Umgebung ausführen, während die rechenintensive Inferenz weiterhin in der Cloud erfolgt, was eine optimale Balance zwischen Performance und Datenschutz schafft.
Plattformübergreifende Bereitstellung und Geräteauswahl
Ein einzelnes Rabbit‑Konto kann maximal fünf verschiedene Maschinen gleichzeitig verwalten. Sobald ein Nutzer eine Aufgabe an OS3 übermittelt, bewertet das System automatisch die verfügbaren Geräte, ermittelt das am besten geeignete Hardware‑Modell und lädt die entsprechenden Werkzeuge, um den Auftrag zu erledigen. Diese dynamische Zuweisung erspart dem Anwender die manuelle Auswahl eines Geräts und reduziert zugleich Fehlkonfigurationen.
Die Benutzeroberfläche von OS3 ist bewusst vielseitig gestaltet. Nutzer können über einen herkömmlichen Web‑Browser, über Messaging‑Dienste wie Telegram und iMessage oder sogar über das noch unterstützte Legacy‑R1‑Gerät, das nun primär als Steuerfläche dient, mit dem KI‑Agenten interagieren. Rabbit kündigte zudem an, zukünftig Schnittstellen für Drittanbieter‑Agenten‑Skills zu öffnen, sodass das Ökosystem über die firmeneigenen Angebote hinaus erweitert werden kann.
Bring‑Your‑Own‑Key‑Modell ersetzt Abonnementgebühren
Anstelle eines klassischen, wiederkehrenden Abonnements setzt Rabbit auf ein Bring‑Your‑Own‑Key (BYOK)‑Modell. Kunden stellen dabei ihre eigenen API‑Schlüssel für Dienste wie OpenAI, Anthropic oder jedes selbstgehostete Modell bereit, das sie bevorzugen. Auf diese Weise verlagert sich das Kosten‑Problem für die Inferenz zum jeweiligen Modell‑Anbieter, und die Nutzer behalten die volle Kontrolle darüber, welches Sprachmodell die Agenten antreibt.
Rabbit betont, dass Gesprächsverläufe und das Gedächtnis des Agenten ausschließlich auf den eigenen Servern des Unternehmens gespeichert werden, während sämtliche Nutzerdateien auf dem lokalen Rechner verbleiben. Jede Anfrage, die eine Modell‑Inferenz erfordert, wird jedoch über die Cloud‑Infrastruktur von Rabbit an den gewählten Modell‑Anbieter weitergeleitet, sodass Daten über das Netzwerk transportiert werden.
Hardware‑Wandel und bevorstehendes Cyberdeck
Gründer Jesse Lyu erklärte, dass vor der aktuellen Produktionspause mehr als 100 000 R1‑Einheiten ausgeliefert worden seien. Das Unternehmen plant keinen direkten Nachfolger der R1‑Box, sondern arbeitet an einem neuen „Programming Cyberdeck“, das OS3 nativ ausführen soll. Die bislang gezeigten Demonstrationen versprechen sowohl hohe Leistungsfähigkeit als auch strenge Datenschutz‑Garantie, jedoch sind diese Versprechen bislang nur durch Rabbit‑eigene Tests belegt.
- OS3 läuft auf Windows, macOS und Linux über einen lokalen Knoten
- Ein Konto kann bis zu fünf Geräte gleichzeitig verwalten
- Nutzer‑bereitgestellte API‑Schlüssel ersetzen monatliche Abonnementgebühren
- Zugriff über Browser, Telegram, iMessage und R1
Das BYOK‑Modell ermöglicht es zudem Unternehmen, OS3 in bestehende Compliance‑Rahmenwerke zu integrieren, indem sie Modelle auswählen, die den internen Datenverarbeitungs‑Richtlinien entsprechen, anstatt sich an einen einzigen Anbieter binden zu müssen. Diese Flexibilität ist besonders für stark regulierte Branchen von Bedeutung.
Rabbits Aussage, dass Dateien nie den Rechner des Nutzers verlassen, adressiert ein häufiges Datenschutz‑Problem. Dennoch entsteht ein potenzieller Angriffsvektor, weil jede Inferenz‑Anfrage über die Rabbit‑Server geleitet wird und dabei Metadaten preisgeben kann, insbesondere wenn Drittanbieter‑Modelle zum Einsatz kommen.
Für deutsche Unternehmen bedeutet die Einführung von OS3 einen grundlegenden Wandel von einer hardwarezentrierten KI‑Einführung hin zu einem cloud‑first, geräte‑agnostischen Workflow. Teams können KI‑Agenten auf jedem gängigen Arbeitsplatzrechner bereitstellen, ohne dedizierte Boxen anschaffen zu müssen, wodurch Kapitalaufwendungen reduziert werden.
Gleichzeitig behalten Unternehmen die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, welches Sprachmodell ihre Anwendungen antreibt, indem sie eigene API‑Schlüssel einbinden. Dies stärkt die Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern und ermöglicht eine gezielte Kostenoptimierung.
Ein möglicher Nachteil bleibt die Abhängigkeit vom Rabbit‑Cloud‑Gateway für jede Modell‑Abfrage. Diese Abhängigkeit kann die Latenz erhöhen und erfordert eine sorgfältige Planung der Netzwerksicherheit, insbesondere in Umgebungen mit strengen Datenschutz‑ und Compliance‑Anforderungen.
Zusammenfassend bietet OS3 Unternehmen die Chance, KI‑Agenten flexibel und skalierbar einzusetzen, während sie gleichzeitig die Notwendigkeit physischer Hardware reduzieren. Die Kombination aus cloud‑basierter Inferenz, lokalem Knoten und BYOK‑Modell stellt ein innovatives Konzept dar, das jedoch weiterhin genaue Prüfungen hinsichtlich Latenz, Sicherheit und Datenfluss erfordert.
Für Nutzer in der DACH‑Region ist insbesondere die lokale Speicherung von Dateien und das BYOK‑Modell attraktiv, da sie damit den strengen europäischen Datenschutzbestimmungen besser gerecht werden können, ohne auf die Leistungsfähigkeit einer cloud‑basierten KI verzichten zu müssen.
Quellen
- Rabbit’s new AI agent doesn’t need an R1 to runThe Verge · 22. September 2026
- Rabbit Is Back, This Time With an AI Agent AppWIRED · 22. September 2026



