KI-Kompetenzen: 68 % nutzen KI, doch Schulungszeit fehlt
Die KI-Nutzung erreicht 2026 67,8 %, doch 56,4 % der Beschäftigten erhalten laut Workera keine feste Arbeitszeit für gezielte Weiterbildung im Beruf.

Werkzeuge der künstlichen Intelligenz haben sich in Unternehmensbüros rasch von experimenteller Software zu festen Bestandteilen des Arbeitsalltags entwickelt. Laut dem „2026 State of Skills Intelligence Report“, der am 23. September von der Kompetenzbewertungsplattform Workera veröffentlicht wurde, sind 80 % der befragten Großunternehmen der Ansicht, dass sie sich im Jahr 2026 auf dem richtigen Weg in eine durch künstliche Intelligenz unterstützte Zukunft befinden. Im Jahr 2025 lag dieser Anteil noch bei 67 %. Obwohl der organisatorische Optimismus und die Verfügbarkeit von Softwarewerkzeugen in den vergangenen zwölf Monaten rapide zugenommen haben, halten die betrieblichen Investitionen in die tatsächlich für Weiterbildungen aufgewendete Arbeitszeit der Beschäftigten mit diesem Tempo kaum Schritt.
Für die Untersuchung wurden 1.000 festangestellte Fachkräfte in Vollzeit befragt, die in den Vereinigten Staaten in Unternehmen mit 5.000 oder mehr Mitarbeitenden tätig sind. Die Erhebung wurde im Juli 2026 über die Marktforschungsplattform Pollfish durchgeführt und mit vergleichbaren Daten aus dem März 2025 abgeglichen. Die Studie verdeutlicht eine anhaltende strukturelle Kluft: Während der praktische Zugang zu Programmen der künstlichen Intelligenz inzwischen weit verbreitet ist, räumen die internen Unternehmensstrukturen den Belegschaften nur selten die notwendigen operativen zeitlichen Freiräume ein, um den kompetenten Umgang mit diesen Systemen wirklich zu meistern.
Der Nutzungsboom und der zeitliche Engpass am Arbeitsplatz
Die alltägliche Nutzung von Werkzeugen der künstlichen Intelligenz in Unternehmensumgebungen ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Workera stellte fest, dass mittlerweile 67,8 % der befragten Beschäftigten über ChatGPT hinausgehende KI-Tools an mindestens mehreren Tagen pro Woche einsetzen. Dies entspricht einem spürbaren Zuwachs gegenüber dem im Jahr 2025 gemessenen Wert von 39,9 %. Parallel dazu hat auch das formelle Angebot an Schulungsprogrammen zugenommen: 58,3 % der Arbeitnehmenden gaben an, in den letzten zwölf Monaten spezifische KI-Schulungsmöglichkeiten erhalten zu haben – mehr als das Doppelte im Vergleich zu den 24,8 %, die im vorherigen Vergleichszeitraum erfasst wurden.
Trotz dieser breiteren Bereitstellung von Schulungsangeboten verhindern die realen Anforderungen des Arbeitsalltags eine wirksame und nachhaltige Kompetenzentwicklung. Eine Mehrheit der Befragten, nämlich 56,4 %, gab an, dass ihnen während der regulären Arbeitszeit überhaupt keine Zeitspanne explizit für den Ausbau ihrer Fähigkeiten zugewiesen wird. Darüber hinaus wenden 84,3 % der Beschäftigten fünf Stunden oder weniger pro Woche für Weiterbildungsmaßnahmen auf, während 42,5 % das Fehlen relevanter Lernmaterialien als zentrales Hindernis für die Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen nannten.
Ich würde jeder Führungskraft derzeit raten, darüber nachzudenken, ihren Beschäftigten Zeit für die Weiterbildung einzuräumen. Glauben Sie nicht, dass sie es einfach von selbst herausfinden, ohne dass Sie ihnen tatsächlich Zeit dafür freihalten. Mit Zeit entsteht auch psychologische Sicherheit; geben Sie ihnen die psychologische Sicherheit zum Experimentieren.
Diese Diskrepanz hat ein Umfeld des unangeleiteten Experimentierens geschaffen. Angesichts unzureichender interner Materialien und strikter operativer Terminvorgaben greifen beträchtliche Teile der betrieblichen Belegschaft auf externe Ressourcen zurück, um eigenständig Fertigkeiten aufzubauen.
- Schattenlernen (Shadow Learning): 46,5 % der befragten Angestellten nutzen Weiterbildungswerkzeuge, die nicht von ihrem Arbeitgeber bereitgestellt werden, wobei 74,6 % dieser Teilgruppe auf weit verbreitete Plattformen wie ChatGPT, Claude und Gemini zurückgreifen.
- Fehlerhafte Beurteilungen: 42,5 % der Befragten berichteten, dass sie aufgrund von Fehleinschätzungen ihrer tatsächlichen technischen Fähigkeiten durch Führungskräfte falsch eingestuft, übergangen oder in ihrer beruflichen Entwicklung gebremst wurden.
- Defizite bei der Führungskräftebegleitung: Nur 26,6 % der Unternehmensbeschäftigten erhalten regelmäßiges Coaching von ihrer direkten Führungskraft, während 21,5 % überhaupt kein Coaching erhalten.
Menschliches Urteilsvermögen, Leistungsgrenzen und Kompetenzmessung
Obwohl Beschäftigte generative Systeme aktiv im Alltag nutzen, bleibt ihr Vertrauen in die menschliche Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz ungebrochen hoch. Die Umfrage ergab, dass 76,6 % der Arbeitnehmenden davon überzeugt sind, ihre Aufgaben besser ausführen zu können als eine künstliche Intelligenz. Lediglich 9,5 % der Befragten gaben an, dass ein automatisierter KI-Agent mehr als die Hälfte ihrer gegenwärtigen täglichen Aufgaben und Pflichten effektiv übernehmen könnte.
Eine ähnliche Dynamik zeigt sich bei der Leistungsbeurteilung. Rund 69,1 % der Beschäftigten sind der Ansicht, dass eine menschliche Führungskraft ihre beruflichen Fähigkeiten fairer bewertet als ein automatisiertes KI-Werkzeug, während nur 14,7 % eine algorithmische Beurteilung bevorzugen. Zudem glauben nur 7 % der Befragten, dass KI die Fähigkeiten am Arbeitsplatz bereits heute besser bewertet als Menschen, während 38,5 % davon ausgehen, dass automatisierte Systeme menschliche Beurteiler in diesem Bereich niemals übertreffen werden.
Um die Kluft zwischen statischen Leistungsbeurteilungen und der tatsächlichen technischen Umsetzung zu überbrücken, testet Workera derzeit Ambient, ein KI-natives System zur Kompetenzbewertung mit über 10.000 Anmeldungen auf der Warteliste, das Fähigkeiten direkt innerhalb der Arbeitsabläufe messen soll. Die Studie ergab, dass 41,1 % der Beschäftigten an einer kontinuierlichen Kompetenzmessung teilnehmen würden, sofern sie die Eigentümer ihrer Daten bleiben und die Freigabeberechtigungen selbst kontrollieren, während 31,2 % in dieser Frage noch unentschlossen waren.
Operative Konsequenzen für Unternehmensleitungen
Für Unternehmen verdeutlichen diese Ergebnisse, dass die bloße Beschaffung von Softwarelizenzen und die Bereitstellung optionaler Schulungskataloge keineswegs ausreichen, um die Zukunftsfähigkeit der Belegschaft zu gewährleisten. Wenn 46,5 % der Mitarbeitenden auf unkontrolliertes Schattenlernen ausweichen und 42,5 % durch ungenaue Kompetenzbewertungen berufliche Nachteile erleiden, riskieren Organisationen minderwertige KI-Arbeitsergebnisse sowie eine gravierende Fehlallokation interner Talente.
Um diese operative Lücke nachhaltig zu schließen, müssen Führungsteams verbindliche interne KI-Kompetenzstandards definieren, feste wöchentliche Lernzeiten in den Kalendern ihrer Belegschaft schützen und transparente, objektive Bewertungsrahmen etablieren. Durch die Verknüpfung kontinuierlicher Kompetenzanalysen mit regelmäßiger Begleitung durch Führungskräfte und klaren Anreizen können Organisationen das Lerntempo deutlich steigern und zugleich sicherstellen, dass die Fähigkeiten der Belegschaft unmittelbar mit den übergeordneten Unternehmenszielen übereinstimmen.
Quellen
- Nearly 70% of workers use AI regularly now – but many get no time to upskillZDNET · 23. September 2026
- 2026 State of Skills IntelligenceWorkera · 23. September 2026



