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Google schickt am 1. Oktober den ersten Suncatcher-TPU-Satelliten ins All

Google startet am 1. Oktober MVP, einen kühlschrankgroßen Satelliten mit vier eigenen TPU-KI-Chips, auf einem SpaceX-Sammelflug. Der mehrmonatige Test ist der erste praktische Schritt von Project Suncatcher, dem Plan für solarbetriebene KI-Rechenzentren im Orbit.

Die nullbot-RedaktionVeröffentlicht am 25. September 20264 Min. LesezeitQuellen (3)
Eine Google-Tensor-Processing-Unit-3.0-Platine mit Chips und Kühlkomponenten
Zinskauf · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Google holt Project Suncatcher vom Papier in den Orbit. Das Unternehmen startet seinen ersten Versuchssatelliten namens MVP am 1. Oktober mit der Sammelmission Transporter-18 auf einer Falcon-9-Rakete von SpaceX, berichten Ars Technica und Golem. Laut der New York Times, zitiert von The Decoder, hebt die Rakete von der Vandenberg Space Force Base in Kalifornien ab.

Suncatcher ist Googles langfristiges Vorhaben, KI-Berechnungen im Weltraum auszuführen. Ein orbitales Rechenzentrum bezeichnet hier eine Konstellation von Satelliten, die KI-Beschleuniger tragen, ihren Strom aus Solarmodulen beziehen und untereinander Daten austauschen, statt eines Gebäudes am irdischen Stromnetz. Google hatte die Idee laut Golem erstmals im November 2025 vorgestellt.

Was der Satellit MVP an Bord hat

Der Satellit ist etwa so groß wie ein Kühlschrank und enthält vier Tensor Processing Units, die eigenen Chips, mit denen Google seine KI-Modelle trainiert und betreibt, berichtet Ars Technica. Es handelt sich nicht um strahlungsgehärtete Raumfahrtbauteile, sondern um dieselben TPUs, die Google in seinen Servern am Boden einsetzt.

Das Raumfahrzeug hat Google nicht selbst gebaut. Die Plattform stammt vom Satellitenbildanbieter Planet Labs, der sie laut The Decoder in seinem Labor in San Francisco gebaut und getestet hat. Ursprünglich waren zwei maßgeschneiderte Satelliten für 2027 geplant, erklärt Ars Technica, doch Google wollte schneller vorankommen und integrierte seine Chips in einen Satelliten, den Planet bereits für einen frühen Test gebaut hatte.

Das Energiebudget ist bewusst klein. Die Solarmodule liefern rund ein Kilowatt, etwa so viel wie eine Mikrowelle oder ein Föhn verbraucht, nach Angaben der New York Times, die Ars Technica wiedergibt. Google-Vizepräsident James Manyika zufolge reicht die Rechenleistung, um einfache KI-Anfragen aus dem All zu beantworten, schreibt The Decoder. Die Mission soll nur einige Monate dauern.

Startlasten, Strahlung und Wärme: die drei entscheidenden Prüfungen

Die erste Prüfung ist der Start selbst. Während des etwa zehnminütigen Aufstiegs wirken Beschleunigungen von bis zu 10 g auf den Satelliten, einzelne Bauteile wie die TPUs können Kräften von 50 bis 100 g ausgesetzt sein, berichtet Golem unter Berufung auf Google. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben Vibrationstests auf allen drei Achsen durchgeführt, die Hardware hielt den simulierten Belastungen stand.

Die zweite ist die Strahlung, die einzelne Bits kippen und Berechnungen verfälschen kann. Google hat seine Trillium-TPUs während laufender KI-Aufgaben mit Protonen bestrahlt und gibt an, dass sie eine höhere ionisierende Gesamtdosis überstanden als bei einer fünfjährigen Mission zu erwarten ist, so Golem. Ob sich die Laborergebnisse im Orbit bestätigen, soll genau dieser Flug zeigen.

Die dritte und wohl schwierigste ist die Wärme. Im Vakuum gibt es keine Luft, die Wärme abführt. Googles Konstruktion nutzt eine Schicht aus verformbarem Wärmeleitmaterial, das die Chips mit Wärmeleitrohren aus Aluminium und Kupfer verbindet; diese führen die Wärme zu einem Radiator, der sie ins All abstrahlt, erklärt Ars Technica. Dauerbetrieb schafft das System noch nicht: Google lässt Gemini-Modelle in Intervallen von etwa 15 Minuten auf den TPUs laufen, danach müssen die Chips abschalten, damit die Radiatoren nachkommen.

  • Start: 1. Oktober, Sammelflug Transporter-18 auf einer Falcon 9 von SpaceX, ab Vandenberg (Kalifornien).
  • Nutzlast: vier Google-TPUs in einem kühlschrankgroßen Satelliten von Planet Labs.
  • Energie: rund 1 kW aus Solarmodulen.
  • Betrieb: Gemini-Inferenz in Intervallen von etwa 15 Minuten, Missionsdauer einige Monate.
  • Nicht Teil dieses Flugs: Laserverbindungen zwischen Satelliten, geplant für 2027 mit zwei Satelliten.

Warum die Branche Rechenzentren im All will

Das Argument ist die Energie. In einer niedrigen Erdumlaufbahn könnten Solarmodule laut Google-Angaben, die Golem zitiert, bis zu achtmal so viel Strom erzeugen wie auf der Erde, weil die Sonneneinstrahlung nahezu durchgehend ist. Befürworter argumentieren zudem, orbitale Rechenzentren könnten Stromnetze und Wasserressourcen am Boden entlasten, während neue Rechenzentren auf wachsenden lokalen Widerstand stoßen: 60 Prozent der vom Pew Research Center befragten US-Amerikaner würden sich mit einem neuen Rechenzentrum in ihrer Nähe unwohl fühlen, merkt Golem an.

Google ist nicht allein. SpaceX hat bei der US-Regulierungsbehörde FCC die Genehmigung für bis zu eine Million Satelliten beantragt, die als KI-Rechenzentren dienen sollen, so Golem, und auch Blue Origin arbeitet an orbitalen Rechenzentren, berichtet The Decoder.

Was noch längst nicht bewiesen ist

Die Größenordnungen zeigen, wie früh das Vorhaben ist. Google-Manager Travis Beals schätzt, dass rund 10.000 Satelliten nötig wären, um ein einziges irdisches Rechenzentrum mit einem Gigawatt zu ersetzen, und die Transportkosten müssten auf etwa 200 Dollar pro Kilogramm sinken, damit sich das Konzept rechnet, berichtet The Decoder. Jeff Bezos rechnet damit, dass es bis zu 20 Jahre dauern könnte, bis orbitale Rechenzentren günstiger sind als Anlagen auf der Erde.

Künftige Suncatcher-Satelliten sollen jeweils Dutzende TPUs tragen und Daten per Laser austauschen, wofür die Sender trotz der Bewegung der Satelliten präzise ausgerichtet bleiben müssen, so Golem. Nichts davon wird am 1. Oktober getestet. Google zufolge bleiben die Starts von 2027 auf dem Plan, das eigene Team erwartet aber, dass es Jahre dauern wird, bis Suncatcher vom Projekt zum Produkt wird, schreibt Ars Technica.

Was das für Unternehmen in Deutschland bedeutet

Kurzfristig nichts im IT-Budget: Kein Unternehmen wird in den kommenden Jahren Rechenleistung im Orbit mieten, und der Satellit MVP arbeitet nur in kurzen Intervallen. Verfolgen lohnt sich der Test dennoch, denn die Engpässe, die er umgehen soll, Stromversorgung, Kühlung und lokale Akzeptanz von Rechenzentren, sind dieselben, die KI-Kapazitäten am Boden schon heute verteuern und verzögern, auch bei den in Deutschland geplanten Standorten mit ihren Netzanschlussfragen. Überstehen die Chips die Strahlung und hält die Kühlung, werden die Flüge von 2027 zeigen, ob der Weltraum eine glaubwürdige Alternative wird oder eine Langfristwette bleibt.

Quellen

  1. Google's first Suncatcher orbital data center test launches October 1Ars Technica · 24. September 2026
  2. KI-Chips im Orbit: Google kündigt ersten Test anGolem.de · 25. September 2026
  3. Google will mit Projekt Suncatcher KI-Rechenzentren ins Weltall bringenThe Decoder · 24. September 2026

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