Microsoft und Qualcomm lassen die Marke Copilot+ PC stillschweigend fallen
Microsofts neue Surface Pro und Surface Laptop, vorgestellt am 23. September, tragen das Label Copilot+ PC nicht mehr, auch Qualcomm und Nvidia verzichten darauf. Die 2024 gestartete KI-PC-Marke verschwindet, ihre Hardwareanforderungen wie eine NPU mit 45 TOPS gelten aber weiter.

Die Marke Copilot+ PC, mit der Microsoft 2024 eine neue Kategorie von Windows-Rechnern für künstliche Intelligenz bewarb, wird ohne Ankündigung aufgegeben. Microsoft verwendet den Namen für seine neuesten Surface-Geräte nicht mehr, wie Surface-Vizepräsident Brett Ostrum gegenüber Windows Central bestätigte, berichten Golem, MuyComputer und 01net.
Betroffen sind der Surface Pro mit 12 Zoll und der Surface Laptop mit 13 Zoll, die Microsoft am 23. September 2026 mit Qualcomms Snapdragon X2 Plus vorstellte. Laut Ostrum erfüllen beide alle Anforderungen der Kategorie. Den Namen tragen sie trotzdem nicht.
Wofür Copilot+ PC stand
Copilot+ PC war eher ein Zertifizierungslabel als ein Produkt. Es legte eine Hardware-Mindestschwelle fest, um KI-Funktionen von Windows lokal auszuführen, insbesondere eine Neural Processing Unit, kurz NPU, also einen Chip für Berechnungen des maschinellen Lernens, mit mindestens 45 Billionen Operationen pro Sekunde (45 TOPS). Microsoft knüpfte exklusive Funktionen von Windows 11 daran, die auf dem Gerät statt in der Cloud eines Dritten liefen.
Auch Qualcomm rückt von der Bezeichnung ab. Kedar Kondap, Senior Vice President für Compute und Gaming, erklärte, die Marke habe eine Geräteklasse mit fester Leistungsgrenze definieren sollen, etwa einer NPU mit 45 TOPS; künftig biete man dieselben Funktionen an, wahrscheinlich aber ohne den Begriff Copilot+ PC, so Golem und 01net. Windows Central zufolge meiden auch PC-Hersteller und Nvidia das Label: Nvidia vermarktet seine RTX-Spark-Plattform ohne den Zusatz, obwohl die Geräte die Vorgaben erfüllen.
Eine offizielle Ankündigung zum Ende der Marke gibt es nicht, merkt Golem an. MuyComputer beobachtet, dass die Hersteller den Namen bereits aus Marketing und Produktbezeichnungen gestrichen hatten.
Ein Start, den Recall belastete
Von ihrem Start hat sich die Kategorie nie erholt. Die wichtigste Funktion, Recall, sollte regelmäßig Bildschirmfotos von allem machen, was der Nutzer tut, damit sich frühere Aktivitäten per KI wiederfinden lassen. Sicherheitsforscher wiesen schnell erhebliche Schwachstellen nach, und Microsoft musste die Funktion verschieben, erinnert 01net. Die ersten Copilot+-Geräte kamen deshalb ohne ihr Hauptargument in den Handel. Laut MuyComputer dauerte die Verzögerung fast ein Jahr und verschob auch das Windows 11 2024 Update.
Der Name selbst sorgte laut 01net für Verwirrung: Das Label Copilot+ hatte keinen direkten Bezug zur Funktionsweise von Microsofts Assistent Copilot, und die Marke Copilot hatte bei Nutzern keinen guten Ruf. MuyComputer ergänzt, dass Copilot-Schaltflächen überall in Windows und eine Nachricht von Windows-Chef Pavan Davuluri über ein agentisches Betriebssystem Tausende negative Reaktionen auslösten, woraufhin das Unternehmen versprach, den KI-Druck in Windows 11 zu verringern.
Zudem testet Microsoft in der Release Preview von Windows 11 in den Versionen 24H2, 25H2 und 26H2 eine Option, mit der sich die Copilot-Taste als rechte Strg-Taste oder als Kontextmenütaste belegen lässt, berichtet Golem.
Kürzer als ein durchschnittlicher Microsoft-Name
Der Rückzug passt zu einem bekannten Muster. Der Microsoft-MVP Loryan Strant dokumentiert die ständigen Umbenennungen des Konzerns in seiner Rebrand Registry, die laut Golem inzwischen 72 Produkte mit insgesamt 158 Namen erfasst. Ein Produktname hält dort im Schnitt zwei Jahre und elf Monate. Die 2024 gestartete Marke Copilot+ PC bleibt darunter.
- 2024: Microsoft und Qualcomm starten die Kategorie Copilot+ PC mit einer NPU-Schwelle von 45 TOPS.
- Recall, die wichtigste Funktion, wird verschoben, nachdem Sicherheitsforscher Schwachstellen aufdecken.
- 23. September 2026: Die neuen Surface Pro und Surface Laptop erscheinen ohne das Label.
- 7. Oktober 2026: Windows- und Surface-Veranstaltung in San Francisco zu lokaler KI, mit Satya Nadella und Jensen Huang, laut der von Golem zitierten Einladung.
Wie es weitergeht
Microsoft lädt am 7. Oktober 2026 in San Francisco zu einer Windows- und Surface-Veranstaltung ein, die sich laut Einladung damit befasst, wie lokale KI das nächste Kapitel des PCs prägen wird, berichtet Golem. Nvidia-Chef Jensen Huang tritt neben Satya Nadella auf. Ob Microsoft dort einen Nachfolger für Copilot+ PC vorstellt, ist offen. MuyComputer erwartet von der Veranstaltung Klarheit über die Rolle von KI in Windows 11.
Für Käufer fällt damit ein einfaches Signal weg. Das Label zeigte auf einen Blick, ob ein Gerät die Hardwarevoraussetzungen für die KI-Funktionen von Windows erfüllt, so Golem. Die Anforderungen selbst gelten weiter, betont 01net: Eine NPU und lokale KI-Verarbeitung bleiben nötig, um diese Funktionen zu nutzen. MuyComputer meint, das Label habe ohnehin seinen Zweck verloren, da die meisten neuen PCs inzwischen NPUs oberhalb der Mindestschwelle besitzen.
Was das für Unternehmen in Deutschland bedeutet
IT-Abteilungen, die Notebook-Flotten erneuern, müssen die Anforderung nach dem Wegfall des Labels direkt in die Ausschreibung schreiben: eine NPU mit mindestens 45 TOPS und Unterstützung der lokalen Windows-KI-Funktionen, die das Unternehmen tatsächlich nutzen will, statt eines Marketingsiegels. Das ist auch eine Erinnerung für öffentliche Auftraggeber mit mehrjährigen Rahmenverträgen: Das Vokabular der KI-PCs ändert sich schneller als die Geräte, und eine an einen Markennamen gebundene Beschaffung kann veralten, bevor die Hardware abgeschrieben ist.
Quellen
- Microsoft elimina la marca Copilot Plus PCMuyComputer · 25. September 2026
- Copilot+ PC: Microsoft und Qualcomm geben die KI-PC-Marke aufGolem.de · 25. September 2026
- Microsoft abandonne les PC Copilot+01net · 25. September 2026



