Google startet Pics, eine KI-Design-App gegen Canva
Google hat Pics vorgestellt, ein KI-Tool zur Bilderstellung und -bearbeitung per Texteingabe statt Ebenen, das zuerst in Docs und Slides startet.

Google hat am 1. September 2026 Pics vorgestellt, eine neue App zur Bilderstellung und -bearbeitung, die auf Gemini und dem hauseigenen Bildmodell Nano Banana basiert. Anders als die Gemini-App, die für Memes oder private Fotos gedacht ist, richtet sich Pics direkt an professionelle Anwender: Der gesamte Gestaltungsprozess lässt sich per Texteingabe steuern, ohne wie bei Photoshop oder Canva mit Ebenen zu arbeiten. Das Tool funktioniert als eigenständige App oder direkt eingebunden in Google Docs und Slides, die Anbindung an Drive soll laut Google und dem Fachportal Hipertextual in den kommenden Wochen folgen.
Google nennt als Ziel, ein häufiges Problem von Marketing- und Kommunikationsteams zu lösen: mehrere zueinander passende Bilder für dieselbe Kampagne zu erstellen, ohne auf eine Designerin oder einen Designer angewiesen zu sein. TechCrunch bestätigt, dass Pics auf Nano Banana läuft und in den kommenden Wochen für die meisten Google-Workspace-Kundinnen und -Kunden sowie für Abonnentinnen und Abonnenten von Google AI Pro und Ultra ausgerollt wird. Der Zugang gilt auch für Business-Standard-, Business-Plus-, Enterprise-Standard- und Enterprise-Plus-Konten, womit das Tool direkt im Unternehmensbereich landet, den bislang Canva und Adobe Express dominieren.
Objektsegmentierung und bearbeitbarer Text im Bild
Zu den Kernfunktionen zählt, dass Pics ein einzelnes Objekt innerhalb einer Bildkomposition isolieren und verändern kann, ohne den Rest des Bildes anzutasten – eine Segmentierungstechnik, die bislang professionelle Bearbeitungssoftware erforderte. Zudem lässt sich Text innerhalb eines Bildes bearbeiten oder übersetzen, während Schriftart und Layout des Originals erhalten bleiben, was das bekannte Problem umgeht, dass die genaue Schriftart auf dem Bearbeitungsrechner fehlt. Die App erzeugt außerdem mehrere Varianten aus derselben Eingabe zur Auswahl, skaliert Bilder auf 2K oder 4K und schneidet sie in Formate für Web, soziale Netzwerke, Druck oder digitale Inhalte zu, wie Hipertextual und TechCrunch berichten.
- Bilderstellung und -bearbeitung mit Googles Nano-Banana-Modell
- Objektsegmentierung, um ein Element zu ändern, ohne den Rest zu berühren
- Textbearbeitung und -übersetzung im Bild bei erhaltener Original-Typografie
- Skalierung auf 2K/4K und Zuschnitt für Web, soziale Netzwerke und Druck
- Echtzeit-Zusammenarbeit und mehrere generierte Varianten pro Eingabe
Direkte Konkurrenz zu Canva und Adobe – mit einem Haken
Mit dem Start tritt Google in direkte Konkurrenz zu Canva und Adobe Express, zwei der meistgenutzten Design-Plattformen für kleine Unternehmen, Content-Creator und Marketingteams weltweit. TechCrunch weist jedoch auf einen grundlegenden Unterschied hin: Bei Canva können Illustratorinnen, Fotografen und Designerinnen Vorlagen und Ressourcen in einem Marktplatz veröffentlichen und dafür Tantiemen erhalten; Google Pics dagegen erzeugt Inhalte mit einem Modell, das mit Werken von Künstlerinnen und Künstlern trainiert wurde, ohne eine solche Vergütung für Kreative. Und anders als Adobe Express, mit dem Kreative eigene Werke von Grund auf entwickeln, ist Pics darauf ausgelegt, aus einer Eingabeaufforderung heraus zu erstellen, statt von einer leeren Seite aus zu gestalten.
Google versichert, dass keine grafische Ausbildung nötig sei, um professionell wirkende Ergebnisse zu erzielen, und dass jedes Teammitglied Plakate, Social-Media-Beiträge oder Präsentationen ohne externe Tools erstellen könne. Hipertextual relativiert dieses Versprechen: Ohne grundlegendes Gestaltungsgefühl liefen die Ergebnisse Gefahr, so generisch wie eine PowerPoint-Vorlage zu wirken – ein Hinweis darauf, dass Pics die technische Hürde senkt, den Blick eines Designers oder einer Designerin aber nicht vollständig ersetzt.
Was sich für kleine Unternehmen und Kreative in Deutschland ändert
Für kleine Unternehmen, Agenturen und selbstständige Kreative in Deutschland, die derzeit ein Canva-Pro- oder Adobe-Express-Abo bezahlen, um ihre Marketingvisuals zu produzieren, verändert die Ankunft von Pics in Google Workspace die Rechnung: Wer bereits für Docs, Slides oder geschäftliches Gmail zahlt, könnte Bilder erzeugen, ohne ein weiteres Tool zu abonnieren oder für einfache Aufgaben eine freiberufliche Designkraft zu beauftragen. Die Einschränkung: Der Zugang ist vorerst an kostenpflichtige Google-AI-Tarife oder die teureren Workspace-Stufen gebunden, weshalb kleinere Betriebe die tatsächlichen Kosten mit dem bisherigen Canva-Budget vergleichen sollten, bevor sie ihren Kreativ-Workflow umstellen.
Quellen
- Google Pics: así es la nueva IA de Google que reta a CanvaHipertextual · 1. September 2026
- Google's answer to Canva is an AI tool where you prompt instead of designTechCrunch · 1. September 2026



