Anthropic schließt 45-Milliarden-Dollar-Rechendeal mit Nscale
Anthropic mietet über sechs Jahre Rechenkapazität im Wert von rund 45 Milliarden Dollar beim britischen Infrastruktur-Start-up Nscale — der jüngste in einer Serie milliardenschwerer Compute-Deals.

Anthropic hat sich bereit erklärt, für rund 45 Milliarden Dollar Rechenkapazität für künstliche Intelligenz von Nscale zu mieten, einem erst 2024 gegründeten britischen KI-Infrastrukturunternehmen. Das berichtete eine mit dem Vorgang vertraute Person TechCrunch am 26. August 2026. Der Deal, zuerst von Bloomberg vermeldet, läuft über sechs Jahre und bezieht Rechenleistung aus Nscales Vorzeige-Rechenzentrum in West Virginia. Es ist der jüngste und größte in einer Reihe von Compute-Lieferverträgen, die Anthropic in den vergangenen acht Monaten geschlossen hat, während das Unternehmen vor einem für Herbst 2026 geplanten Börsengang darum wettläuft, genügend Rechenleistung zu sichern, um mit Konkurrenten, allen voran OpenAI, mitzuhalten.
Vera-Rubin-Chips und ein Rechenzentrum mit 460 Megawatt
Laut Vereinbarung liefert Nscale an Anthropic Rechenkapazität, die auf Nvidias kommendem Chipsystem Vera Rubin basiert, das sechs verschiedene Chips kombiniert und als derzeit fortschrittlichstes Design der Branche gilt. TechCrunch berichtet, die Kapazität solle ab Ende 2027 Anthropics Dienste antreiben. Das deutsche Portal The Decoder ergänzte unter Berufung auf zwei mit der Sache vertraute Personen, Anthropic werde ab Ende nächsten Jahres 460 Megawatt an Vera-Rubin-Kapazität am West-Virginia-Standort von Nscale nutzen. Nscale hat seit seiner Gründung bereits Verträge mit anderen großen Technologiekonzernen abgeschlossen, darunter Microsoft, und bereitet selbst einen Börsengang vor: Im März 2026 sammelte das Unternehmen bei einer Bewertung von 14,6 Milliarden Dollar 2 Milliarden Dollar ein, angeführt vom norwegischen Energiekonzern Aker.
Ein 69-Milliarden-Dollar-Rechenzentrum mit lokalem Widerstand
Die für den Anthropic-Deal zentrale Kapazität in West Virginia ist Teil eines größeren, 1,35-Gigawatt-Rechenzentrums, das Nscale im Mason County baut — ein Projekt, das The Decoder zufolge rund 69 Milliarden Dollar kosten soll. Das Ausmaß des Bauvorhabens hat bei einigen Anwohnern Widerstand ausgelöst, wobei weder TechCrunch noch The Decoder die genaue Art dieser Einwände näher beschreiben. Das Projekt zeigt, wie sich Investitionen in KI-Infrastruktur, die früher auf klassische Rechenzentrums-Standorte in der Nähe großer Cloud-Anbieter konzentriert waren, zunehmend in kleinere Gemeinden verlagern, die über Flächen und Stromkapazitäten für Campus im Gigawatt-Maßstab verfügen.
Acht Monate Compute-Einkaufsrausch
Der Nscale-Deal setzt eine Reihe großer Compute-Verträge fort, die Anthropic seit Anfang 2026 geschlossen hat. Anfang dieses Monats unterzeichnete das Unternehmen einen Sechs-Jahres-Vertrag über 10 Milliarden Dollar mit Volta, einem im Januar 2026 gegründeten KI-Cloud-Start-up, und sicherte sich damit Kapazität aus einem Rechenzentrum in Norwegen. Im Juli schloss Anthropic einen Compute-Deal über 5 Milliarden Dollar mit AMD. Im Mai vereinbarte das Unternehmen mit SpaceX Kapazität aus zwei Rechenzentren von Elon Musk im Wert von berichteten 1,25 Milliarden Dollar pro Monat. Im April erweiterte Anthropic seine Partnerschaft mit Amazon um zusätzliche 5 Gigawatt Rechenleistung und vertiefte separat die Beziehungen zu Google und Chipdesigner Broadcom. The Decoder berichtete zudem unter Berufung auf Bloomberg, Anthropic habe sich verpflichtet, langfristig für mehr als 150 Milliarden Dollar KI-Chips von Google zu leasen, und habe erste Gespräche mit Meta über einen möglichen Deal geführt — eine Zahl und ein Detail, die im TechCrunch-Bericht fehlen.
- 45 Milliarden $ — Nscale, sechs Jahre, West Virginia (dieser Deal)
- 10 Milliarden $ — Volta, sechs Jahre, Norwegen
- 5 Milliarden $ — AMD, Juli 2026
- Rund 1,25 Milliarden $ pro Monat — SpaceX, zwei Rechenzentren
- 5 zusätzliche Gigawatt — erweiterte Amazon-Partnerschaft, April 2026
- Mehr als 150 Milliarden $ (Berichten zufolge) — Leasing-Zusage für Google-KI-Chips
Warum KI-Labore über die drei großen Clouds hinausblicken
Anthropics Vorgehen weist auf einen breiteren Wandel hin, wie sich führende KI-Labore Rechenkapazität sichern. Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud bleiben zentrale Partner — Amazon ist zugleich einer der größten Investoren und Infrastrukturlieferanten von Anthropic —, doch ihre bestehenden Rechenzentrumskapazitäten lassen sich nicht immer in dem Zeitrahmen oder zu den Konditionen ausbauen, die KI-Labore inzwischen benötigen. Diese Lücke hat jüngeren, eng fokussierten Infrastrukturunternehmen wie Nscale und Volta eine Chance eröffnet, die gezielt Kapital für den Bau von Rechenzentren für ein oder zwei Ankerkunden aufnehmen, statt universelle Cloud-Plattformen zu betreiben. Für ein Unternehmen, das sich auf einen Börsengang vorbereitet, signalisiert die Zusicherung mehrjähriger Rechenkapazität Investoren zudem, dass das Wachstum nicht durch Hardware-Engpässe gedeckelt wird — eine Sorge, die branchenweit auf KI-Bewertungen lastet.
Was das für Deutschland und Europa bedeutet
Für deutsche und europäische Unternehmen, die bereits auf Claude oder andere Anthropic-Modelle setzen, bestätigt dieser Deal — wie zuvor die Vereinbarungen mit Amazon, Google oder SpaceX —, dass die Rechenkapazität hinter diesen Diensten weiterhin ganz überwiegend in den USA entsteht, während die EU-Debatte über digitale Souveränität und den KI-Verordnung-konformen Ausbau europäischer Rechenzentrumskapazität weitergeht. Für IT-Verantwortliche in Deutschland unterstreicht die schiere Größenordnung dieser Verträge — Dutzende Milliarden Dollar pro Deal —, wie viel Kapital jeder europäische Versuch, eigene KI-Rechenkapazität in diesem Maßstab aufzubauen, tatsächlich erfordern würde, und wie wichtig es bleibt, Verfügbarkeits- und Standortklauseln in Verträgen mit US-amerikanischen KI-Anbietern genau zu prüfen.
Quellen
- Anthropic continues compute-gobbling streak in $45B deal with NscaleTechCrunch · 26. August 2026
- Anthropic mietet für 45 Milliarden Dollar Rechenkapazität von NscaleThe Decoder · 26. August 2026



